Frauenpower in unserer Region

Die Zeiten, in denen ausschließlich Männer in großen Unternehmen die Zügel in der Hand hielten, sind längst vorbei. Immer häufiger werden wichtige Positionen von weiblichen Kolleginnen übernommen - auch bei uns in der Region. Nehmen wir zum Beispiel Dr. Johanna Höhl, die bereits seit 10 Jahren Mitgesellschafterin und kaufmännische Geschäftsführerin in Deutschlands größter Apfelweinkelterei Höhl in Maintal ist. Oder sehen wir uns die Tierarztpraxis in Spachbrücken an, die mit den Tierärztinnen Heike Riedel und Cornelia Mönch und ihrem ausschließlich weiblichen Team seit Jahren erfolgreich läuft.
Auch die Landesbank Hessen-Thüringen setzt auf Frauenpower: Hier gehört die Stelle der Chefvolkswirtin Frau Dr. Gertrud Traud, die auch die Leitung im Bereich Research innehat. Und wenn man einen Blick auf das Regierungspräsidium Darmstadt wirft, wird schnell deutlich, dass auch hier einige wichtige Stellen, zum Beispiel diverse Abteilungsleitungen, in weiblicher Hand liegen.
Doch wie ist es für eine Frau, eine solche hohe Stellung einzunehmen? Muss man sich gegen die männlichen Kollgegen durchsetzen, gibt es viele Vorurteile? mein südhessen (msh) konnte Frau Iris Birke, Personalleiterin der Firma Grass in Reinheim, die Bewegungs-Systeme und Möbelbeschlage herstellt, für ein Interview gewinnen und persönlich nachfragen.
msh: Frau Birke, Sie arbeiten seit mittlerweile acht Jahren als Personalleiterin bei Grass. Denken Sie, es ist für Frauen schwieriger, an solche Führungspositionen zu kommen?
Birke: Also bei mir war das nicht der Fall, denn ich war zunächst Stellvertreterin und bin nach dem Ausscheiden des vorherigen Personalleiters nachgerückt. Generell denke ich aber, dass Männer es in der freien Wirtschaft leichter haben, an hohe Positionen heranzukommen. Im Personalbereich, in dem ich arbeite, ist es dagegen leichter für Frauen als in reinen Männerdomänen.
msh: Viele der bei Grass angestellten Mitarbeiter sind männlich. Gibt es da manchmal Autoritätsprobleme?
Birke: Hier ist das zum Glück nicht der Fall. Die meisten Kollegen arbeiten schon seit Jahren zusammen und kennen sich gut, deshalb treten in der Regel keine Schwierigkeiten auf. Auch mit neu eingestellten Mitarbeitern habe ich bisher noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass in anderen männerlastigen Firmen die Meinung der Männer mehr zählt als die der Frauen.
msh: Eine gesetzliche Frauenquote ist schon seit längerem im Gespräch. Was halten Sie davon?
Birke: Ich denke, dass eine solche Regelung nicht immer so umsetzbar ist, wie die Gesetzgeber sich das vorstellen. Bei uns zum Beispiel gehen kaum Bewerbungen von Frauen für die technischen Berufe ein, sodass die Verfügbarkeit von ausgebildeten Frauen nicht gegeben ist. Dann ist es doch sinnvoller, qualifizierte männliche Arbeiter einzustellen. Trotzdem sollten Frauen stärker berücksichtigt werden. Statt einer Frauenquote sollte sich die Gesetzgebung lieber darum kümmern, die Themen Familie und Beruf bei Frauen stärker zu unterstützen. Damit wäre den Frauen weitaus mehr geholfen. Die Doppelbelastung Kinder und Job ist für viele Frauen schwer zu stemmen. Wir arbeiten hier in einem Drei-Schicht-Betrieb - wenn niemand zuhause ist, der auf die Kinder aufpasst, ist das für die Arbeiterinnen schlichtweg nicht möglich. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung – wäre mein Schwiegervater nach meiner Elternzeit nicht zuhause gewesen, um auf meinen Sohn aufzupassen, wäre es sehr schwer gewesen, Arbeit und Kind unter einen Hut zu bringen.
Außerdem gibt es auch Berufe, in denen eine Männerquote angebracht wäre. Ich denke da zum Beispiel an den erzieherischen Bereich. Gerade in Zeiten, in denen es viele allein erziehende Mütter gibt, sollten Kinder auch männliche Bezugspersonen haben. Trotzdem ist der Männeranteil hier noch immer sehr gering. Es wäre wichtig, auch dort die richtige Balance zu finden.
msh: Als Personalleiterin kommen Sie mit allen Arbeitern in Kontakt. Fallen Ihnen dabei Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf, zum Beispiel die Zuverlässigkeit betreffend?
Birke Hier in der Verwaltung sind mir noch keine Unterschiede aufgefallen. Anders sieht es in der Produktion aus, in der, wie bereits erwähnt, im Schichtsystem gearbeitet wird. Dort fehlen Frauen in der Tat häufiger als Männer. Das liegt zum einen an der körperlichen Belastbarkeit – früher haben Frauen noch nicht in der Nachtschicht gearbeitet, heute sind sie ganz normal in den Drei-Schicht-Betrieb integriert. Dann kann es natürlich auch immer mal Probleme zuhause geben, wenn zum Beispiel ein Kind krank wird. Aus diesem Grund sind Arbeitgeber manchmal abgeschreckt, Frauen mit Kindern einzustellen, und genau deshalb wäre es wichtig, Frauen vor allem in diesen Punkten gezielter zu unterstützen.
msh: Denken Sie, dass es sinnvoll wäre, Frauen gesondert auf ihr Berufsleben vorzubereiten, zum Beispiel durch spezielle Frauenstudiengänge?
Birke: Solange es darum geht, Frauen besonders auf Männerberufe vorzubereiten, halte ich davon nichts. Diese Idee erscheint mir alles andere als sinnvoll, denn wenn Frauen in Männerdomänen arbeiten wollen, müssen sie sich auch von Anfang an mit allen möglichen Schwierigkeiten, die damit verbunden sein können, auseinander setzten.
msh: Sie selber scheinen mit Ihrem Job sehr zufrieden zu sein. Liegt das auch an der Arbeit in dieser Region? Was ist das Beste an der Arbeit in Südhessen?
Birke: Das stimmt, ich arbeite gerne hier. Und ich denke, wir haben es allgemein gut getroffen in unserer Region. Wir liegen zentral zum Rhein-Main-Gebiet, in dem die Arbeitslage im Vergleich mit anderen Teilen Deutschlands recht gut aussieht. Auch andere Regionen sind von hier aus nicht schwer zu erreichen. Und natürlich ist die Landschaft hier sehr schön.

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