Geothermiekraftwerk - Geeigneter Standort liegt östlich von Trebur

ÜWG hat ein passendes Grundstück erworben und bereitet Genehmigungsverfahren vor - Anlieger sollen mit Workshops einbezogen werden.

Groß-Gerau. Nach mehr als fünfjähriger Vorbereitung und sorgfältiger Planung steht der Standort für Hessens erstes Tiefengeothermiekraftwerk im Kreis Groß-Gerau fest. Die ÜWG hat hierfür östlich von Trebur ein Grundstück gekauft und erarbeitet jetzt standortbezogen die notwendigen Unterlagen für das Genehmigungsverfahren.

Nachdem sich im Herbst in einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Kreis Groß-Gerau eine Mehrheit der Befragten für den Bau eines Geothermiekraftwerks aussprach, will die ÜWG das Projekt weiter vorantreiben. Im Jahr 2014 soll der Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium eingereicht werden. In den nächsten Wochen werden die dafür notwendigen Gutachten und Studien erstellt. Hierfür werden die Bohrung und die notwendige Infrastruktur für den Bohrplatz geplant. Außerdem wird ein vorläufiges Anlagenkonzept erarbeitet.

„Der Standort östlich von Trebur zeigt, dass die ÜWG die Forderungen der Bevölkerung bei der Projektumsetzung ernst nimmt“, sagte ÜWG-Geschäftsführer Detlev Höhne im Rahmen einer Pressekonferenz im Geothermie-Erlebniszentrum GEOlife. Der gewählte Standort liegt mit über einem Kilometer Abstand zur nächsten Ortsrandgrenze im ausreichenden Abstand zur Wohnbebauung - außerhalb von Natur-, Wasser-, Artenschutz- oder Naherholungsgebieten. Er kann über die Landstraße L 3040 direkt erschlossen werden, so dass Baustellenverkehr während der Bauphase nicht durch Ortschaften geführt werden muss. Durch den großen Abstand zur Wohnbebauung können die gesetzlichen Lärmgrenzwerte unterschritten werden. Höhne: „Damit werden bereits mit der Standortwahl wesentliche Forderungen der Bevölkerung erfüllt“.

Ein Geothermiekraftwerk am Standort Trebur könnte pro Jahr Strom und Wärme für mehr als 21.000 Menschen erzeugen. Damit wären die rund 13.000 Einwohner der Großgemeinde Trebur als Standortkommune rechnerisch völlig unabhängig vom Strommarkt. Der produzierte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, die Wärme – ausreichend für rund 400 Haushalte – soll ebenfalls vor Ort genutzt werden. Angrenzende Kunden in Trebur und Nauheim könnten über ein noch zu errichtendes Wärmenetz mit Heizenergie versorgt werden. ÜWG-Geschäftsführer Höhne erklärte, dass man die Errichtung eines Wärmenetzes prüfe und schon heute interessierte Bürger aufrufe, ihr Interesse zu signalisieren. Die Bürger sollen aber auch finanziell von dem Projekt profitieren: „Wir wollen einen Geothermie-Sparbrief anbieten, mit dem die Menschen das Geothermiekraftwerk unterstützen und gleichzeitig dafür eine attraktive Rendite erhalten. Denkbar ist auch eine direkte Beteiligung der Kommunen oder von einer Genossenschaft an der Kraftwerksgesellschaft“, so Höhne weiter.

Die ÜWG möchte den erfolgreichen Bürgerdialog zur Nutzung der Erdwärme im Kreis Groß-Gerau weiter fortführen. Für den Einbezug der Anlieger wurde der Schweizer Stiftung Risiko-Dialog ein neues Mandat erteilt. „Sobald die notwendigen Planungsgrundlagen verfügbar sind, werden die Anlieger dazu eingeladen, an den lokalen Aspekten der Ausgestaltung des Projekts mitzuwirken. Geplant sind Workshops, mit dem Ziel ÜWG und die Anlieger zum Gespräch zusammenzubringen, um gemeinsam Wege zu einer für alle optimierten Realisierung der Erdwärmenutzung zu finden“, erklärte Matthias Holenstein, Geschäftsführer der Stiftung Risiko-Dialog. Außerdem wird der Geothermie-Beirat weitergeführt. „Der Beirat aus Bürgerinitiativen, Umweltverbänden, Kirche, Landwirtschaft und Politik wird weiterhin tagen und die Umsetzung seiner Forderungen, die für den gesamten Kreis Groß-Gerau von Bedeutung sind, mit ÜWG abstimmen. Zudem soll der Beirat einen Ombudsmann ernennen und für diesen als Aufsichtsrat fungieren“, erläuterte Holenstein. Ergänzend zum umfangreichen Beteiligungsangebot bietet die Stiftung Risiko-Dialog allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, Ihre individuellen Fragen und Anliegen in einem persönlichen Gespräch einzubringen. Termine können per E-Mail (info@dialoggeo.de) oder telefonisch (0611 945 802 640) vereinbart werden.

Hintergrund:

Der nördliche Oberrheingraben, in dem auch der Kreis Groß-Gerau liegt, ist für die Erdwärmegewinnung besonders geeignet, denn dort trifft man auf günstige geologische Bedingungen. Die errechnete durchschnittliche Thermalwassertemperatur in einer Bohrtiefe von 2.500 Meter bis 3.500 Meter liegt mit circa 150° C deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt und ermöglicht so die Erzeugung von Strom und Wärme.

Ein Geothermiekraftwerk könnte pro Jahr rund 25 Millionen Kilowatt­stunden Ökostrom produzieren. Diese Menge reicht aus, um rund 21.000 Menschen im Kreis Groß-Gerau mit Strom zu versorgen und leistet damit einen wesentlichen Beitrag um das politische Ziel des Kreises Groß-Gerau bis zum Jahr 2020 mit etwa 30 Prozent des Stromver­brauchs aus Erneuerbaren Energien zu decken. Die Wärme, die ein solches Kraftwerk produziert, könnte den Jahreswärmebedarf von rund 400 Privathaushalten decken, was in etwa der Menge von 750.000 Litern Heizöl entspricht. Insgesamt können so gut 27.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. (Marc André Glöckner/ÜWG)

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