Innenperspektive: Bundeskanzlerin zu Gast in Groß-Gerau

Erstmal ein Selfie
3Bilder

Noch nicht ganz fertiggestellt und schon erfährt die Oberstufe der Prälat-Diehl-Schule in Groß-Gerau ihren ersten hohen Besucher: Bundeskanzlerin Merkel ist zu Gast in Groß-Gerau und hält damit ein Wahlversprechen ein.

Merkel verscheucht Presse

Der Besuch von Angela Merkel in Groß-Gerau verursachte ein breites Medienecho. Reporter von ARD über Sat1 bis ZDF machten sich für den um 11 Uhr angekündigten Besuch fertig, den die Bundeskanzlerin unerwarteter Weise fast überpünktlich einhielt. Mit dabei waren unter anderem Franz Josef Jung, MdB und Abgeordneter für Groß-Gerau, der hessische Kultusminister Alexander Lorz, Bürgermeister Stefan Sauer und Landrat Thomas Will. Für die gespannt wartenden Schüler blieb so genug Zeit spontan einige Selfies zu schießen. Nach einer kurzen Kostprobe der „BigBand“, die 2012 noch als beste schuleigene Band Hessens ausgezeichnet wurde, begab sich die Bundeskanzlerin auch schon Richtung Aula. Der Kanzlerin wurde das Geschichtsprojekt „Von der Werkhalle zur Aula - ein Industriestandort wird Schulstandort“ vorgestellt, in dem auf die Ursprünge der Prälat-Diehl-Schule - die bis auf das Jahr 1832 zurückgehen - so wie den neuen Standort eingegangen wurde. Die Ausstellung ist im Stadtmuseum Groß-Gerau einsehbar. In der Aula angekommen nahm sie an einer Podiumsdiskussion teil. Kurioserweise versperrten Kameraleute fast die komplette Sicht der rund 400 anwesenden Schüler, was Merkel zu einer „geschäftsleitenden Bemerkung“ veranlasste: „Es ist nicht schön, wenn die Fotografen hier vorne so lange stehen bleiben“ und erntete damit Beifall vom Publikum.

Unterschied zwischen Wahlkampf und Wahlversprechen

Die Fragen hierfür wurden vom Q3 Leistungskurs „Politik und Wirtschaft“ (PoWi) im Vorfeld über alle anderen PoWi Kurse gesammelt. Moderatorin Annika leitete souverän die Diskussion, wenngleich sie fast hektisch auf die Uhr schaute. Doch die Bundeskanzlerin ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen und verglich sie mit Talkshowmoderatoren, die nur auf die Uhr schauen würden um zu sagen „schon wieder so viel Zeit vergangen“. Den katastrophalen Eindruck, den die Berichterstattungen noch über die Bildungsreise 2008 hinterlassen hatten, insbesondere der Besuch der Ilmenauer Goethe-Schule (siehe einen satirischen Beitrag dazu vom ndr: Extra 3 vom 04.09.2008 [CC-Lizenz]), bewahrheitete sich nur bedingt. Zwar war alles selbstverständlich minutiös geplant, doch war „Zeit für spontanes“ eingeplant. So gab es im Anschluss an die Podiumsdiskussion die Möglichkeit direkte Fragen zu stellen, die tatsächlich auch nicht vorgeplant waren. Drei Schüler nutzen diese für sie wohl einmalige Gelegenheit. Die gesamte Mitschrift der Podiumsdiskussion mit Vorbemerkungen und Nachfragen ist hier abrufbar: Mitschrift der Podiumsdiskussion

Allein die Tatsache, dass das Gebäude noch in einem deutlich erkennbar unfertigen Zustand war, trug dem Besuch auch einen „Spontanitätsflair“ bei. Denn während die Kanzlerin andere Schulen eher als reine PR-Aktion vor oder im heißen Wahlkampf besuchte, war dieser Besuch die Einhaltung eines im Wahlkampf gegebenen Versprechens. So kann es sicherlich auch als eine PR-Aktion bezeichnet werden, doch mit kaum einen krampfhaften Beigeschmack. In der ARD-Wahlarena nutze im vergangenen Jahr der noch werdende Lehrer Christian Reinbold die Chance eine Frage zu stellen und lud die Kanzlerin spontan zu einem Besuch in seiner Schule ein (siehe ARD Wahlarena vom 09.09.2013). Heute unterrichtet er an der Prälat-Diehl-Schule als Referendar Biologie und Englisch.

Lockere Kanzlerin

Den Schülern überzeugte die einfache und lockere Art der Kanzlerin. So beantwortete Angela Merkel eine kurze Nebenfrage, ob Deutschland Assad gegen die ISIS unterstützen sollte, mit einem einfachen abweisenden „Nee“, was selbst bei einigen ihrer vermummten Leibwächtern ein leichtes Lächeln abzeichnen ließ. Insgesamt vermittelte die Veranstaltung wie auch die Kanzlerin einen sehr lockeren Eindruck. Die Vorgehensweise, dass die Moderatorin nach jeder der drei vom Publikum gestellten Fragen die Diskussion für beendet erklären wollte, die Kanzlerin hingegen „noch e i n e Frage“ wie auch „die Allerallerletzte“ Frage zuließ, hinterließen bei den Zuschauern den Eindruck, dass sie besonders spontan und locker wäre. Doch Merkel überzeugte durch ihre Art, dass sie die Fragen direkt beantwortete, ohne wirklich um den heißen Brei zu reden. Den Unterschied dürfte hier auch die Veranstaltungsart gemacht haben, dass es sich eben nicht um eine Wahlkampfveranstaltung handelte, bei der man sich nur gewählt vorsichtig ausdrückt.

Nach einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Groß-Gerau und einem Statement vor der Presse gab es noch die letzte Möglichkeit, ein Selfie mit der Kanzlerin zu schießen, bis sie zu ihrem nächsten Termin aufbrach.

Alle Links:
Merkel verscheucht Fotograpfen
Extra 3 vom 04.09.2008 [CC-Lizenz]
Mitschrift der Podiumsdiskussion
ARD Wahlarena vom 09.09.2013

Autor:

Amir Mahmood Ahmed aus Büttelborn

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.