Die Tücken der Verträge beim Hausbau - Hausanbieter erfüllen Mindeststandards für Leistungsbeschreibungen nicht

(djd/pt). Wer ein Haus baut, hat nach langer Beschäftigung mit dem Thema meistens eine klare Vorstellung davon, wie er künftig wohnen möchte und welche Erwartungen er an sein neues Heim hat. Was genau er letztlich für sein Geld bekommt, steht in der Bau- und Leistungsbeschreibung des Hausanbieters. Doch die gibt häufig nur ein unvollständiges Bild des neuen Hauses, wie eine aktuelle Analyse des Instituts für Bauforschung Hannover (IFB) im Auftrag des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) ergab. Von 100 in der Studie untersuchten Verträgen entsprach nur ein einziger durchgängig den Mindestanforderungen an Bau- und Leistungsbeschreibungen für Ein- und Zweifamilienhäuser, wie sie das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung veröffentlicht hat.

In 46 Prozent der Fälle fehlten wesentliche Angaben, Leistungen waren unvollständig oder überhaupt nicht beschrieben. Die Defizite zogen sich dabei durch alle Gewerke. Einen Anspruch hat der Bauherr aber tatsächlich nur auf die Leistungen, die im Vertragswerk stehen. Bei ungenauen Angaben kann der Bauunternehmer dagegen die Variante wählen, die für ihn am günstigsten ist. Besonders düster sah es bei den Beschreibungen der Planungsleistungen und der Bauleitung aus. Mangelhaft, unvollständig oder nicht durchgängig korrekt waren sie in 83 Prozent der untersuchten Fälle. Bei zwei Dritteln war die Beschreibung der Planungsunterlagen unvollständig oder fehlte ganz, in 98 Prozent der Fälle wurden Aussagen zur fachlichen Planung des wichtigen Bereichs Haustechnik vermisst.

Die Übergabe von Unterlagen und technischen Nachweisen an den Bauherrn war in keinem Fall vollständig befriedigend geregelt. Ohne vertragliche Vereinbarung müssen sie aber nicht ausgehändigt werden - und damit hat der Hausbesitzer schlechte Karten, wenn er beispielsweise die Qualität von Installationen überprüfen, Gewährleistungsansprüche anmelden oder die Einhaltung von Förderbedingungen nachweisen will.

"Diese Analyse der Bau- und Leistungsbeschreibungen verdeutlicht die Notwendigkeit, sowohl die Verpflichtung des Unternehmers zur Leistungsbeschreibung als auch Mindeststandards für Bau- und Leistungsbeschreibungen gesetzlich zu verankern", meint Peter Mauel, Vorsitzender des BSB. Bis dahin empfiehlt Mauel künftigen Bauherren, bereits vor Vertragsschluss einen unabhängigen Bauherrenberater zu Rate zu ziehen und über unklare Passagen mit dem Bauunternehmen zu verhandeln. Unter www.bsb-ev.de gibt es kostenlos Adressen von Bauherrenberatern sowie den Forschungsbericht des IFB.

"Eine fachgerechte Luftdichtheit wird garantiert." "Zentralheizungsanlage mit einer Gastherme, deutsches Fabrikat, für Heizung und Warmwasserbereitung."* Wer sich mit solchen lapidaren Formulierungen abspeisen lässt, bekommt keinerlei Aussagen über Hersteller, genaue Bauausführung, Energiestandard und voraussichtliche Heizkosten - und muss mit Ausführungen rechnen, die den heutigen Standards nicht oder gerade noch so entsprechen.

*Quelle: Gemeinschaftsprojekt IFB und BSB "Analyse von Bau- und Leistungsbeschreibungen"

Autor:

Redaktion mein südhessen aus Darmstadt-Süd

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.