Gross Erfolg in Groß-Umstadt tanz in Pfälzer Schloss

Leidenschaft, Präzision und Hingabe

Ballett-Zwillinge de Filippis erwecken mit „(T)RaumReise“ Steine zum Leben

(dor) In eine andere Welt schienen die Zuschauer am Samstagabend im Pfälzer Schloss förmlich einzutauchen. Von erstklassiger Tanzkunst, begleitet von einer wie dazu maßgeschneiderten Musik und stimmungsvoll beleuchteter Atmosphäre des Rittersaals
ließen sich die zahlreichen Gäste gern mitnehmen auf eine „(T)RaumReise“. So hieß die neue Tanzperformance, mit der die Gemelli de Filippis Premiere feierten. Zu einer anregenden Reise durch die Kulturgeschichte geriet das, was sich die Zwillinge Giuseppe und Michele de Filippis gemeinsam mit der Tänzerin Simona Piroddi hatten einfallen lassen. Mitorganisatorin Christine Vonderheid-Ebner eröffnete den Abend mit vielen Erläuterungen und Hintergrundinformationen und behandelte aufs Ausführlichste Werke und Lebensumstände von bedeutenden bildenden Künstlern. Berühmte Skulpturen, Plastiken und Gemälde der Kunstgeschichte sollten dann von den Tänzern zum Leben erweckt werden.

Inspiriert war diese Traum- und Raumreise von Bildern und Skulpturen wie „Das ewige Idol” von Auguste Rodin, „Der Walzer” von Camille Claudel oder die „Kleine Tänzerin” von Edgar Degas wurde mit sehr unterschiedlichen Mitteln der Atem des Lebens eingehaucht. Selbst der Titan Atlas, der schwer an der Weltkugel in seinem Nacken trug, schien zum Poetischen verklärt, wie vieles im Zeitlupentempo Dargebrachte. Verlangsamte Bewegungen erzeugten große Intensität.

Gemeinsam mit der Tänzerin Simona Piroddi schienen Giuseppe und Michele de Filippis Lebloses zu erwecken und gleichsam wieder erstarren zu lassen. Starke Gefühle wie jene der tragischen Liebesgeschichte zwischen Claudel und Rodin ließen sich durch die tanzende, körperliche Darstellung förmlich erspüren. Große Köpfe wie der des Dichters Honoré de Balzac, in einer Rodin-Plastik verewigt, wiegten schwer auf den dagegen schmalen Schultern der Ballett- Zwillinge. Was sich hinter den jeweiligen Statuen und den sie erschaffenden Künstlern verbirgt, auf diese Spur begaben sich die Tänzer und wollten dem Publikum gleichfalls dazu verhelfen. Welcher Mensch mit all seinen menschlichen Facetten hinter einer aus Stein gehauenen Figur stecken könnte, das auf ungewohnte Weise zu interpretieren und zu beantworten versuchten die Darsteller mit ihrer tänzerischen Auseinandersetzung.

So durfte der Zuschauer jederzeit gebannt sein von der Körperkunst der drei Künstler, die sich in Harmonie ergänzten, und gefesselt von viel Gefühl: Kraftvolle Körperbeherrschung gepaart mit graziler Tanzkunst, Schönheit und Emotion mit Professionalität. Die große Intensität im Raum war spürbar, Zerrissenheit manchmal und Verzweiflung gegenüber verspielter Leichtheit und Poesie. Versteinerung traf da auf Geschmeidigkeit, unbefangene Zartheit auf strenge Schwere. Was so viel Kraft kostete, wirkte federleicht. Übereinstimmend großes Lob gab es am Ende zu hören, lang anhaltenden Applaus und ein völlig begeistertes Publikum, das nach dieser Vorstellung tief bewegt den Heimweg antrat.

„Die Intensität des Augenblicks“ hatte auch Angelika Borchert vom Stadtmarketing genossen, vom Gesehenen ganz berührt. Homogen habe das ganze Team an einem Strang gezogen, um diese Aufführung zu bewältigen, Füße, Hände, Mimik und Körper eingesetzt. Mit den Worten „Leidenschaft, Genauigkeit und Hingabe“ sei diese künstlerische Arbeit am ehesten zu charakterisieren. Und alle hatten ganz offensichtlich viel gearbeitet. Die Zwillinge de Filippis, denen es immer wieder gelingt, ihre Freude am Tanzen seit vielen Jahren zu erhalten und auszustrahlen, eine hervorragende Simona Piroddi und die Moderatorin Christine Vonderheid-Ebner, die umfangreich zur Thematik recherchiert hatte. Eine tolle Stimmung wurde nicht zuletzt durch das Licht erzeugt und viele Effekte durch die geschickte Beleuchtung von Andreas Trautheim noch verstärkt.

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