kritik pietre darmstadt echo tanz performance gemelli de filippis

Das Denkmal wird vom Sockel geholt

Tanztheater – Im aktuellen Stück der Zwillinge De Filippis werden Skulpturen zu Bewegung

Das Licht spielt mit, wenn die Tanz-Zwillinge De Filippis Skulpturen in Szene setzen: Szene aus „Pietra“.  Foto: Claus Völker

Um die Verquickung von Bildhauerei und Tanz dreht sich die neue Tanzperformance „Pietre“ (Steine) der Gemelli De Filippis, bei der Simona Piroddi die Bildhauerin Camille Claudel verkörpert.

DARMSTADT.
Oft schon wurde von Bildhauern versucht, tänzerische Bewegung in einer Skulptur zu materialisieren. Im begeistert aufgenommenen neuen Tanzabend der Filippis-Zwillinge passiert noch mehr: Tänzer werden zu Skulpturen, Skulpturen zu Tanz. Auch bei ihnen begegnen wir der französischen Bildhauerin Camille Claudel – aber anders als bei „Camille“ der Tanztheaterchefin Mei Hong Lin im Staatstheater Darmstadt, geht es nicht um ihre lange Zeit in der Irrenanstalt, sondern um ihre schöpferische Fantasie und die Beziehung zu August Rodin.

Am Todestag von Camille Claudel war im vergangenen Jahr das neue Stück der Zwillinge De Filippis im Pfälzer Schloss in Groß-Umstadt uraufgeführt worden. Die Darmstädter Premiere fand am vergangenen Sonntag im Theater Mollerhaus statt. Um die Verquickung von Bildhauerei und Tanz dreht sich die neue Tanzperformance „Pietre“ (Steine) der Gemelli De Filippis, bei der Simona Piroddi die Bildhauerin Camille Claudel verkörpert. Als sie am Schluss mit meterlanger Schleppe auf Rodin zuschreitet und die beiden sich im Walzertakt wiegen, versteht jeder im Publikum, woher die Inspiration zu Claudels berühmter Skulptur „Der Walzer“ kam.

Träumerisch, fast surreal nähern sich die italienischen Zwillinge dem Thema steinerne Skulptur, ihre Körper muten sogar steinern an. Um diesen Effekt zu erreichen, haben sie sich komplett mit Heilerde eingerieben. Die Mühe lohnt, denn der Effekt ist erstaunlich: Als sie sich im bläulichen Zwielicht ganz schemenhaft und in Zeitlupe aus dem Vorhang heraus bewegen, wirken sie ganz aus Marmor, jede einzelne Muskelpartie ist in diesem Licht erkennbar.

Termin

Nächste Vorstellung im Theater Mollerhaus in Darmstadt am Samstag (24.) um 20.30 Uhr.

Unverkennbar ist der Einfluss von Michelangelo, viele seiner Skulpturen finden sich in Bewegung übertragen in der Choreografie wieder. Seine unvollendete monumentale Figur „Atlas Sklave“ wird als Person auf die Bühne gebracht. Aber nicht nur Michelangelo und Camille Claudel haben die Filippis inspiriert, auch August Rodin und Edgar Degas standen Pate beim neuen Tanzabend. Zwei einfache Sockel sind genug als Requisite, um zu einer ausgefeilten Lichtregie (Ole Fuhltrott) in Stein oder Bronze gemeißelte Skulpturen ins Leben zu holen.

So wird der „Denker“ von August Rodin lebendig und der Mantel auf die Bühne geholt, den er seiner Skulptur „Balzac“ verliehen hat. Die graziösen Sprünge und Pirouetten von Simona Piroddi könnten Degas zu seiner Skulptur „Kleine Tänzerin“ inspiriert haben. Von sphärischen Klängen über minimalistische Töne reicht die eingesetzte Musik von Max Richter, von romantischen Klavierstücken bis hin zu Zirkusmusik, wenn das Tänzer-Trio Giuseppe und Michele de Filippis mit Simona Piroddi in ägyptischen Posen tanzt und das Publikum zum Lachen bringt.

Autor:

michele de filippis aus Groß-Umstadt

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.