Kritik Premiere in Gross-Umstadt

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Ballett der Skulpturen

Tanz – Filippis-Zwillinge und Simona Piroddi erwecken im Pfälzer Schloss berühmte Plastiken zum Leben

Eine „(T)-Raumreise“ in eine Glyptothek voll lebender Skultpuren unternahmen am Samstag in Groß-Umstadt die Zwillinge Giuseppe und Michele de Filippis und Simona Piroddi. Foto: Twindance

Skulpturen, in Stein gehauen, wurden zum Leben erweckt: Ergreifend war die Performance von Giuseppe und Michele de Filippis, die im Trio mit Simona Piroddi die Seele berühmter Statuen und Bildnisse in Tanz übersetzten. Der Applaus am Samstag im Pfälzer Schloss war groß.

GROSS-UMSTADT.
Von den Körpern rieselt Sand, als falle der Staub der Jahre von Skulpturen ab: Giuseppe und Michele de Filippis sowie Simona Piroddi lassen tänzerisch in Stein gehauene Figuren lebendig werden. Nachdem sie zur sanften Musik, Statuen gleich, im Gewölbesaal des Pfälzer Schlosses Einzug gehalten haben, ist es, als werde den Skulpturen der Odem des Lebens eingehaucht.

Dialog konträrer Ausdrucksformen
Eine „(T)-Raumreise“ in die Welt bekannter Bildnisse und Skulpturen beginnt, in der die Figuren aus ihrer Versteinerung heraustreten und ihre Seele offenbaren. Gefühlsstark zeichnen die drei Tänzer die Intention der Bildhauer und Maler nach, rufen „Die kleine Tänzerin“ von Edgar Degas wach, den „Walzer“ von Camille Claudel, „Das ewige Idol“ von Auguste Rodin und auch den archaischen Titan Atlas, der die Weltkugel stemmt.

Es ist ein inspirierendes Unterfangen, dieser Dialog zweier extrem konträrer Ausdrucksformen – einführend erläutert durch Ideengeberin und Mit-Organisatorin Christine Vonderheid-Ebner. Das Publikum belohnt den Abend mit Bravos und anhaltendem Applaus.

Internet

www.twindance.com
Doppelspiel zwischen Plastik und Künstlerin
Im gedämpften Licht ersteht bewegte Poesie flüchtiger Momente, die – in Stein gehauen oder auf Leinwand gebannt – Jahrhunderte überdauert. Zugleich tanzen Schatten an der Wand, scheinen die Tänzer vom traumhaften Doppelspiel umflort. Simona Pirodelli macht im steifen, bodenlangen Rock mit geschmeidigen Bewegungen Camille Claudels „Walzer“ sichtbar, dreht sich im Takt verklungener Musik und zeichnet zugleich gebeugt das Gewicht jedes Hiebs nach, mit dem die Bildhauerin die verspielten Falten in den Rock schlug.

In ihrem Tanz schwingt auch Claudels Trauer der schwierigen Liebe zu Auguste Rodin mit, da mündet die Bewegung in den Armen von Bühnenpartner Giuseppe de Filippis, der den Meister gibt: Erneut kehren die Tänzer in die erstarrte Umarmung zurück. Gefesselt durch die Rockschleppe, bedeckt von der Tonschicht aus den Händen von Michele de Filippis, ergibt dies ein imponierendes Bild.

Als „Kleine Tänzerin“ von Degas trippelt Simona Piroddi anmutig im flatternden Hemdchen durch den Raum, der Charakterkopf eines Honoré de Balzac, um 1890 von Rodin geschaffen, wird von den Brüdern Filippis ausdrucksstark gespiegelt. Den schweren Dichtermantel um die Schultern gelegt, schreitet Michele des Filippis übers Parkett. Vor allem Giuseppe de Filippis hält die Körperspannung intensiver Bewegungen grandios wie in Zeitlupe. In den stärksten Momenten ist das eine nahezu sakrale Zeremonie.

Autor:

Frank Schütz aus Groß-Umstadt

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