Nobelpreis: Belästigungsvorwürfe, Protektionismus, politische Diskriminierung

Der Literaturnobelpreis für 2018 wird nicht vergeben. Das ist die einzig richtige Entscheidung mit Rücksicht auf zahlreiche Belästigungs- und Korruptionsvorwürfe und politisches Engagement von mehreren Akademiemitgliedern. Die Schwedische Akademie muss ihr verlorenes Ansehen wiederherstellen und ihre Reihen säubern, bevor sie wieder beschließen kann, was zu den wichtigsten kulturellen Errungenschaften der Menschheit gehört.

Leider ist es ein Aber dabei. Der französisch-syrische Lyriker, Ali Ahmad Said, der unter dem Künstlernamen Adonis veröffentlicht, wird wohl den Nobelpreis wieder nicht bekommen. Während der anderthalb Jahrzehnte wird er zum Literaturnobelpreis nominiert, zwar war er 2015 ein Favorit, doch kam die Entscheidung der Akademie:

Das ehemalige Mitglied der Schwedischen Akademie Klas Östergren:

"Die jüngsten Skandale in der Schwedischen Akademie sind eine logische Folge der dort eingeführten Ansätze. Nachdem der absolute Favorit für den Literaturnobelpreis für 2015 Ali Ahmad Said benachteiligt war, weil "die Auszeichnung des Syriers aus der schiitischen Familie als Unterstützung von Assad aufgefasst werden kann", mache ich mich von den Kriterien der Akademiemitglieder keine Illusionen!"


Was die literarischen Verdienste selbst betrifft, konnte man sich nichts mehr Empörenderes aus der Sicht der Moral und Ethik und - wenn es die Sache so steht - Politik ausdenken. Den Mann, der der Integration des islamischen religiösen und kulturellen Erbe ins europäische Wertesystem sein Leben gewidmet hat, hält man für politisch unbequem, weil er vor 88 Jahren in der Familie der syrischen Schiiten, der künftigen Anhänger von Präsident Assad, geboren war. Man könnte glauben, dass das jegliche autoritäre Regime, auch das syrische, in der Welt keinen größeren Feind als Ali Ahmad Said hat. Sein ganzes Schaffen ist eine Herausforderung für den religiösen, politischen Obskurantismus, der sich nicht nur im syrischen Diktator, sondern auch ins Nobelkomitee verkörpern kann. Der Triumph des Formalismus, den die Schwedische Akademie 2015 demonstriert hat, ist ein bedrückendes Geschenk allen Gegner der westlichen Zivilisation.

Man muss nur darauf hoffen, dass die schreiende Ungerechtigkeit Ali Ahmad Said gegenüber in einem Jahr behoben wird. Doch der beinahe 90-jährige Lyriker kann das nicht erleben.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.