Odenwald-Forum – die Hölzerlips-Bande

Heimatgeschichtliche Vorträge des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach finden in der Bevölkerung stets reges Interesse. Zum Juni-Odenwald-Forum waren 60 Besucher gekommen. Im Gasthaus Odenwald in Hummetroth referierte der ehemalige Sonderschullehrer Georg Frohna aus Birkenau/Hornbach über die berüchtigten Räuberbanden, die vor mehr als 200 Jahren im Odenwald ihr Unwesen getrieben haben.
Die Epoche um 1800 war keineswegs so romantisch, wie es oftmals verklärt in der Volksliteratur dargestellt wird. Es war vielmehr eine Zeit der Kriegswirren, ausgelöst von der Französischen Revolution, die Not und Armut über die Bevölkerung brachte und weithin Hungersnöte auslöste. Über 10 % der Menschen waren obdachlos und versuchten als Scherenschleifer, Korbflechter, Kesselflicker oder Kastenkrämer ihre Familien zu ernähren; so auch die Odenwälder Grassmann, Dascher und Erbeldinger. Um ihr karges Auskommen zu finden, mussten sie immer wieder gegen geltendes Recht verstoßen.
Nicht wenige stehlen und betrügen und werden deshalb unerbittlich von der Obrigkeit verfolgt. Einige Verwegene schlossen sich in wechselnder Besetzung zusammen, um gemeinsame Einbrüche und Raubzüge zu organisieren. Sie erhielten dabei Unterstützung aus der Bevölkerung und konnten in ihnen bekannten Wirtshäusern (Kochemer Bayes) gegen Beuteanteile Unterschlupf und Versorgung erhalten.
Sie benutzten das Rotwelsche, eine Insidersprache, die sich an die deutsche Grammatik hielt, aber mit Worten aus dem Jiddischen und aus diversen Roma- Dialekten unverständlich für alle anderen war. Zusätzlich verständigten sie sich in einer Gebärdensprache, die nur „Kochemer“ beherrschten.
In Rimbach wurden Johann Adam Heusner (roter Hanadam) und sein Onkel Johann Adam Grasmann (großer Samel) nach einem Einbruch in Fränkisch-Crumbach gefasst. Ihnen wurden mehr als 200 Straftaten nachgewiesen; sie wurden nach richterlichem Urteil später in Darmstadt hingerichtet.
Eine weitere Tätergruppe war die Hölzerlipsbande, die an der Bergstraße eine Reisekutsche überfiel und einen Kaufmann aus der Schweiz tot prügelte. Im Rahmen der folgenden Ermittlungen wurden über 70 Räuber/innen im Odenwald verhaftet und in Heidelberg und Mannheim in Ketten gelegt. Die Hinrichtung der Tatbeteiligten mit dem Schwert erfolgte öffentlich vor Tausenden von Zuschauern in Heidelberg nahe der Bergheimer Landstraße.
Bild: Begeisterte Besucher des Odenwald-Forums, von links: Udo Erbeldinger, Billings, der Referent Georg Frohna, Hornbach und Georg Dascher, Kainsbach

Autor:

Heidi Banse aus Michelstadt

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