Odenwald-Forum - Quellkult und Wallfahrtskapellen im Odenwald

Dr. P. W. Sattler referierte beim 192. Odenwald-Forum. Der Odenwald ist reich an Wasserquellen. Wasser war schon immer lebensnotwenig und dient nicht nur profanen Zwecken, sondern spielt auch im religiösen Bereich eine außerordentlich wichtige Rolle. Schon in prähistorischer Zeit wurden an Quellen Gottheiten verehrt. Diese Tradition wurde von den Römern fortgesetzt. Erst mit dem Eintritt der Franken beginnt die christliche Tradition im Odenwald.

Mit der Ankunft der iroschottischen Mönche änderte sich die Situation. Das Wasser der Quellen und Brunnen diente ihnen als Taufwasser. Auch entstehen in dieser Zeit fränkische Eigenkirchen, die allmählich durch bischöfliche Kirchen abgelöst werden. Es ist die Zeit der Quellkirchen und Eremitagen, die sich an Quellen und Brunnen orientieren. Dem dort austretenden Wasser wurde Heilkraft zugewiesen. Diese Örtlichkeiten wurden deshalb zu Orten der Wallfahrt. Zahlreiche Beispiele zeigten die religiöse Wassertradition im Odenwald.

Als solche heute noch sprudelnden Quellen und steingesetzte Erdbrunnen nannte der Vortragende den Eschernbrunnen bei Bad König und den unweit davon befindlichen Klingebrunnen. Als Beispiel für die iroschottische Missionierung im Odenwald steht die Kiliansquelle bei Michelstadt. St. Kilian, iroschottischer Missionar und Schutzpatron der dortigen Stadtkirche, soll an der Heilig-Kreuz-Kapelle die ersten Kindlein getauft haben. Ehemals bedeutende Wallfahrtskapellen und so genannte Quellkirchen haben sich im wasserreichen Odenwald noch zahlreich erhalten, so in Amorsbrunn bei Amorbach, in Güttersbach, Hesselbach, Schöllenbach, Breitenbach, Breitenbrunn, bei Auerbach und in Lichtenklingen, im Fundament auch die Kapellen in Falkengesäß und im Brudergrund bei Erbach.

Das Wasser entsprang zumeist einer Quelle entweder unter dem Kapellenboden oder dicht daneben. Es galt als heilkräftig und mündete oft in einen separaten Raum oder in ein Becken, in dem mit dem Quellwasser und dem Körper Kontakt aufgenommen werden konnte. Frauen pilgerten der Fruchtbarkeit und der Hoffnung auf reichen Kindersegen wegen zu den heiligen und segenspendenden Quellen oder wegen eines Augenleidens. Dabei wurden die Augen mit dem heilkräftigen Wasser benetzt. Sitz- und Stehbecken, die mittels Treppenstufen erreicht werden konnten, gab es an fast allen Quellkapellen und -kirchen.

Bevor sich die Bischofskirchen durchsetzen konnten, hatten die zu Besitz und Reichtum gekommenen fränkischen Adligen, Edlen und freien Herren ihre Eigenkirchen erbaut. Hierzu gehören die heute zu Friedhofskapellen herabgesunkenen Kapellen in Bad König und Rehbach. Auch die Basilika des fränkischen Edlen Einhard war eine solche Eigenkirche, die er für seine Bestattung vorgesehen hatte.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages ging Sattler explizit auf die Quellkirchen in Schöllenbach und Hesselbach ein. Dabei standen der Schöllenbacher Altar der ehemaligen Wallfahrtskirche im Vordergrund und das romanische Vortragekreuz, das in Hesselbach gefunden wurde. An diesen beiden Beispielen wird deutlich, wie sich das Christentum vorchristlichen Brauchtums bedient; denn es wird angenommen, dass sich in Schöllenbach ein vorchristliches Quellheiligtum befunden habe und auf einen germanischen Quellenmythos zurückgeht oder zumindest im römischen Wasserkult wurzelt. Das Christentum hat die alten Vorstellungen des Wasserkultes überdeckt und uminterpretiert. Die heidnischen Mythen wurden durch christliche ersetzt. Marien-und Ottilien-Patrozinien waren neue Namen für uralte geglaubte Funktionen. Geblieben ist der Glaube an Fruchtbarkeit , reichen Kindersegen und Familienerhalt, an die Heilkraft für Augenleiden und alle anderen möglichen Gebrechen. Es wird behauptet, dass die Schenken und Grafen zu Erbach ihr Taufwasser aus der Schöllenbacher Quelle bezogen. Und Maria Theresia soll sich Trinkwasser aus der Quellkirche Amorsbrunn besorgt haben wegen ihres Kinderwunsches. Der ist mit dem Ergebnis von 16 Kindern voll in Erfüllung gegangen.

Autor:

Heidi Banse aus Michelstadt

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