1918 - Vor Hundert Jahren im Odenwald - aus dem Centralanzeiger

aus dem Centralanzeiger für den Odenwald 1918
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Rechtzeitig zum Friedensschluss vor 100 Jahren wurde das neue „Büchelsche“ des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach „Vor hundert Jahren im Odenwald -1918“ fertig gestellt.
Noch im Oktober heißt es im Centralanzeiger für den Odenwald: „Nur wer sich selbst verloren gibt, ist verloren!“ Ende des Monats bleiben die Schulen im Kreisgebiet wegen der Grippewelle geschlossen. Die Sozialdemokratische Partei lädt zu zwei großen Volksversammlungen nach Michelstadt in den Kaisersaal und nach Erbach in den Schützenhof ein. Der Reichtagsabgeordnete Hasenzahl spricht über „den kommenden Frieden“. Es heißt weiter: „Männer und Frauen erscheint in Massen in diesen Kundgebungen für einen baldigen Frieden“. Wenige Tage später druckt der Centralanzeiger einen Aufruf von L. Hasenzahl, M. d. R., z. Zt. Berlin ab. „Das Gebot der Stunde!“ Papier und Druckerschwärze sind von schlechter Qualität. Doch mit heutigen Mitteln ist es gelungen, den Text wiederzugeben: “…Ich gehörte nie zu Denen, die in der langen Kriegszeit auch nur einen Augenblick „Blindekuh“ spielten. Und manchmal wurde ich, weil ich den Tatsachen ins Auge sah, deswegen angegriffen. Aber die Ereignisse haben mir leider Recht gegeben. Ich sage leider, weil ich als Deutscher die Zukunft, der unser herrliches deutsches Volk entgegengeht, als eine furchtbar schwere Zeit sehe… von einem ruhmlosen Untergang des deutschen Volkes reden. Nein, ein Volk, das wie das Deutsche in 4 ¼ Jahren sich gegen eine Welt von Feinden behauptet hat, kann auch im Unglück nicht ehrlos untergehen. Und wenn Leute behaupten, lieber voll unterzugehen, es sei dies viel ehrbarer, so verkennen diese Leute, daß wohl ein verrückt gewordener Duellant sich auf diesen Standpunkt stellen kann, aber nicht eine Nation von 67 Millionen Einwohnern; Wer das dem deutschen Volke zumutet, hat das Recht verwirkt, Anspruch darauf zu erheben, daß er es mit Deutschland gut meint… Es heißt jetzt, das Drama, dessen letzter Akt aufgezogen ist, zum Abschluß und zu möglichst raschem Abschluß zu bringen. Das ist das Gebot der Stunde!“ Unter dem 11. November wird aus der Müller’schen Wirtschaft in Dorf Erbach von der Gründung eines Arbeiter-, Soldaten- und Bauern-Rats im Kreis Erbach berichtet. Die Sorge, dass der Kreis in die „neutrale Zone“ fallen könnte bestätigt sich nicht, da sie „sich nur 10 Kilometer vom Rhein nach rechts gegen den Odenwald zu erstreckt“. Doch schon bald beginnen die Einschränkungen in Folge der Truppendurchzüge. Aber in all den Wirren gibt es auch kleine Lichtblicke wie eine Meldung: „Zur Steuerung der Wohnungsnot in hiesiger Stadt beabsichtigt die gemeinnützige Baugenossenschaft im kommenden Frühjahr einige Wohnhäuser zu erbauen“. Der „Hessische Arbeiter- und Soldatenrat“ in Darmstadt gibt wieder das Holzlesen in allen hessischen Wäldern frei. – „Ferner sollen Volksbelustigungen, da der Kriegszustand vorüber ist, wieder gestattet werden“. Überall werden „kräftige Tagelöhner“ gesucht. Unter dem 12. November wird das neue Hessische Wahlgesetz veröffentlicht: „Die Volkskammer wird aus 58 Abgeordneten gebildet. Sie geht aus unmittelbaren Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor.
S t i m m b e r e c h t i g t sind alle deutschen Männer und F r a u e n…“ – Die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts! In Michelstadt wird ein Lazarettzug ausgeplündert, während für das Lazarett in König dringend Verpflegung gesucht wird. Hieß es noch im Juni „Hunde an die Front“ so ist man Mitte Dezember mit dem Rücktransport der Kriegs-Diensthunde beschäftigt.
Anfang des Jahres wurde über die Hilfe der Kriegs-Brieftauben berichtet und über die „Helden der Lüfte“, zwei Odenwälder Luftfahrtpioniere aus Hetzbach und Kirch-Beerfurth. Der Hetzbacher Flieger fand bei seinen Einsätzen den Tod und der Centralanzeiger druckte den Abschiedsbrief an seine Eltern. Nach 4 ½ Jahren ist an Weihnachten wieder Frieden und wie jedes Jahr wird wieder auf die Weihnachtsangebote in den Erbacher und Michelstädter Geschäften hingewiesen.

Seit 16 Jahren erscheinen die von Heidi Banse, Michelstadt, zusammengetragenen Ereignisse aus dem Centralanzeiger im Druck. „Vor hundert Jahren 1918“ wird vom HGV Lützelbach herausgegeben, hat 60 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und ist wieder zum Preis von 5 Euro im örtlichen Buchhandel und bei www.gendi.de erhältlich.

Autor:

Heidi Banse aus Michelstadt

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