Familienzweige "zur linken Hand"
Buchübergabe an den Grafen Louis zu Erbach-Fürstenau

Auf dem Schlosshof von Fürstenau überreicht der Autor dem jetzigen Chef der Familie, dem Grafen Louis zu Erbach-Fürstenau, dessen gleichnamiger Ahnenonkel Ludwig II. zu Erbach-Fürstenau (1728–1794; zeitgenössisch in französischsprachigen Urkunden ebenfalls Louis genannt) die erste morganatische Ehe im Grafenhaus Erbach geschlossen hatte, ein Exemplar seines Buches.
  • Auf dem Schlosshof von Fürstenau überreicht der Autor dem jetzigen Chef der Familie, dem Grafen Louis zu Erbach-Fürstenau, dessen gleichnamiger Ahnenonkel Ludwig II. zu Erbach-Fürstenau (1728–1794; zeitgenössisch in französischsprachigen Urkunden ebenfalls Louis genannt) die erste morganatische Ehe im Grafenhaus Erbach geschlossen hatte, ein Exemplar seines Buches.
  • Foto: Foto: Dorothea Dingeldein
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Familienzweige "zur linken Hand"

Vom 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert bekannten sich drei Mitglieder des hochadeligen Hauses Erbach als Väter außerehelicher Kinder und sechs Grafen schlossen so genannte „morganatische Ehen“ mit Frauen aus nicht adeligen Familien. In der Neuerscheinung des Buches Gräflich-Erbacher Familienzweige „zur linken Hand“ beschreibt Heinrich J. Dingeldein diese zum Teil spektakulär verlaufenen Beziehungen mit umfassenden Angaben zu deren Herkunft und Nachkommen.

Wie im Märchen?

In Märchen wie Aschenputtel, Schneeweißchen oder Die wahre Braut geht es immer wieder um Beziehungen zwischen Personen des Hochadels und Angehörigen der einfacheren Schichten des Volkes und ihren glücklichen Vermählungen. Das Happy-End im Märchen ist allein abhängig von Schönheit, Tugendhaftigkeit, Klugheit, Helden- oder Edelmut – oder ganz selten auch „nur“ von Glück und Wundern. Sie überwinden alle Standesschranken und heiraten Prinzen. Der arme Müllersbursch wird von einer Königstochter geheiratet und auch der „Dummerling“ im Märchen von der Goldenen Gans und das tapfere Schneiderlein führen am Ende eine Königstochter zum Traualtar und erhalten sogar noch „das halbe Königreich dazu“. Interessanterweise spielt die „Liebe“, wie wir sie heute verstehen, dabei kaum eine Rolle.

Durchaus Parallelen zu realen Begebenheiten, wie sie in diesem Buch behandelt werden, sind in der anfänglichen Ablehnung der Verbindungen durch den König in den Märchen zu sehen. Meist erbte das Paar in der Realität auch nicht „das halbe Reich“, sondern wurde gar enterbt und von der Thronfolge ausgeschlossen.

Diese Abhandlung richtet den Blick auf die wenigen Beispiele innerhalb des Grafenhauses Erbach, in denen die seit dem Mittelalter bis zur Revolution im Jahr 1918 in unterschiedlicher Ausprägung existierenden, rechtlich legitimierten Standesunterschiede überwunden wurden, indem Männer aus dem Hochadel und Frauen einfacher „bürgerlicher“ Herkunft aus persönlicher Zuneigung zueinander fanden. Dabei wird besonders den genealogischen Daten der weiblichen Seite Aufmerksamkeit geschenkt, denn im Gegensatz zu den männlich-adligen Linien wird ihnen – ebenso wie den hier ebenfalls behandelten Nachkommen – in den Darstellungen der genealogischen Adelskalender kaum Interesse entgegengebracht.

Die erforschten nicht standesgemäßen Ehen

Die fünf im Buch behandelten nicht standesgemäßen Ehen sind: Ludwig II. zu Erbach-Fürstenau, der mit Sophie Küchler (dann Madame Treuberg) morganatisch vermählt war. Adalbert zu Erbach-Fürstenau heiratete Charlotte Willenbücher (Frau von Rothenberg), Ernst zu Erbach-Erbach verband sich mit Marie Kredell (Frau von Wildenstein), Eberhard zu Erbach-Erbach ehelichte Anna Kittner (Frau von Curl) sowie Eberhard XV. zu Erbach-Erbach als Witwer die Maria Wilhelmine Luck (Frau von Lichtenberg). Ein letztes Beispiel ist Erasmus zu Erbach-Erbach und Dora Fischer, die Tochter eines Tgelöhners aus Erbach, informell „Frau von Erbach“. Die Heirat 1905 in England wurde nicht anerkannt. Er wurde wegen Geisteskrankheit von seinen Eltern entmündigt und von der Erbschaft ausgeschlossen.

Ein berühmtes anderes Beispiel einer morganatischen Ehe war die Philipps der Großmütige von Hessen. Er setzte sich im 16. Jahrhundert als führender evangelischer Landesfürst – mit seiner morganatischen Zweitehe mit Margarethe von der Saale und der Teilung seiner Landgrafschaft in viele Linien seiner Söhne – gleich über mehrere Regeln (inklusive das 7. biblische Gebot) hinweg. Am bekanntesten ist wohl die Ehe des hochadligen Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Julia Hauke heiratete. Sein Bruder, der Großherzog, erhob die Gattin seines Bruders zunächst als „Gräfin von Battenberg“ in den hessischen Adelsstand und später als „Prinzessin“ bzw. „Fürstin von Battenberg“ in den Fürstenstand. Alexander von Hessen und Julia von Battenberg sind damit die Stammeltern des Hauses Battenberg (bzw. Mountbatten) mit vielen Vertretern im europäischen Hochadel geworden.

Der Autor

Der aus dem Erbacher Land stammende Autor Prof. Dr. Heinrich J. Dingeldein lehrte Sprach- und Kulturwissenschaften an der Philipps-Universität in Marburg und der Lucian-Blaga-Universität in Sibiu/Hermannstadt.

Das Buch

Gräflich-Erbacher Familienzweige "zur linken Hand"
Illegitime Kinder und morganatische Ehen im Grafenhaus Erbach bis zum Ende der Monarchie.
– Mit Anmerkungen zu ihrer Heraldik –
von Prof. Dr. Heinrich J. Dingeldein
ISBN: 978-3-946295-19-8, 18,90 Euro im Buchhandel oder versandkostenfrei beim Verlag unter shop.gendi.de

Autor:

Andreas Stephan aus Otzberg

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