Odenwald-Forum - Glück auf – Bergleute und ihre Familien im Odenwald

Beim 185. Odenwald-Forum in Höchst-Hummetroth trafen sich, trotz Gewitter und Starkregen, mehr als 50 an der Odenwälder Heimatgeschichte Interessierte. Heidi Banse stellte ihre neuesten Forschungsergebnisse zu den Bergleuten und ihren Familien im Odenwald vor.
Als Quelle dienten ihr Urkunden aus verschiedenen Archiven. Darin wird eine Vielzahl von Bergleuten und Bergwerksangehörigen genannt, auch mit Berufen, wie wir sie heute hier nicht mehr kennen. Das Anliegen der Referentin war, über die Menschen und ihre Spuren, die sie uns hinterlassen haben, zu berichten. Der erste urkundliche Beleg einer Erzgrube findet sich 773, als Karl der Große die Mark Heppenheim mit der Erwähnung der mittleren Arezgrefte - einer Erzgrube - im Bereich Weschnitz-Erzbach an das Kloster Lorsch gibt. Östlich davon schließt sich die Mark Michelstadt an und die war laut der Legende schon früh begehrt. Die Referentin erwähnt die Urkunde zu einem Bergwerk in Höchst-Annelsbach und Erzproben vom Breuberg von 1478, die zu einem Schmied nach Dieburg gebracht werden um den Eisengehalt zu bestimmen. Sie sieht Parallelen zwischen der Herausgabe von Bergordnungen der Landesherren und überall im Odenwald in einer Blütezeit entstandenen Bauwerken, die wir heute noch bestaunen können, wie das 1484 erbaute Rathaus der Stadt Michelstadt oder die Stadtkirche mit dem 1507 erbauten mächtigen Kirchturm. Eine monumentale Großbaustelle muss sich hier im Zentrum des Odenwaldes befunden haben. Wie wurden diese Bauten finanziert? War Michelstadt zu dieser Zeit schon das Zentrum der Montanindustrie im Odenwald?
Ab dem frühen 17. Jahrhundert setzt die Überlieferung in den Kirchenbüchern ein, mit einer Vielzahl von Nennungen von Namen, Berufen und Angaben zu den Herkunftsorten. Ohne Telefon, Internet und Job-Center fanden Bergleute die neuen Arbeitsplätze im Odenwald. Es waren Spezialisten, Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Sie waren flexibel und nicht ortsgebunden – so wie es auch heute noch von Spitzenkräften gewünscht ist. Sie brachten einen ungeheuren Wissenszuwachs in den Odenwald. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist im In- und Ausland hoch angesehen. Die Bergwerke und Eisenwerke der Familie Ensinger aus Sainte-Marie-aux-Mines werden als vorbildlich bezeichnet. Mit ihnen kam u. a. der Bergknappe Michael Fürst. Er heiratet 1669 die Bergerin Margartha Cator – eine Frau mit einer auf den Bergbau hinweisenden Berufsbezeichnung! Eine der vielen Frauen und Kinder, die mit ihrer Arbeit zum Lebensunterhalt beigetragen haben. „Sind dem Ensinger zugehörig“ ist im Kirchenbuch verzeichnet. Von besonderer Bedeutung ist die Arbeit einer 10-12 Mann starken Gruppe von Bergleuten aus Freiberg. Durch Recherche in den dortigen Archiven konnte die Referentin erstmals viele Familienzusammenhänge klären. So lässt der sich Kilian Rösinger in Freiberg einen Geburtsbrief ausstellen, der im dortigen Archiv heute noch vorhanden ist. Darin sind alle Daten enthalten, die er für seine Heirat mit der Sonnenwirtstocher Anna Barbara Schuhmacher benötigt für seine „Niderlaßung zu St[adt]. Michelstadt in der Graffschaft Erbach“. Er und sein ebenfalls hier als Forstschreiber und Factor auf dem Hammer tätige Bruder Johannes sind später auch in Büdingen tätig, als gesuchte Fachleute aus dem Odenwald. Die Bergleute Rösinger, Englert, Morgenstern u.v.a. waren Spezialisten, Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Es kommt auch zu Unfällen. Der Schweizer Caspar Planay wird auf der Grube von einem Wolf angefallen, er kämpft mit dem Tier und schlägt es tot, doch er stirbt an seinen Wunden. Ein tragischer Unfall ereignet sich am Kirchberg als J.F.W. Widenman „bey Besichtigung der hießigen Eisenwerke, in den 20 Lachten (ca. 40 Meter) tiefen Schacht am hießigen Kirchberge, rückwärts von der Grubenleiter“ zu Tode fällt.
Wegen den Erzfuhren vom Michelstädter Rotzen- und Kirchberg und den Abgabenzahlungen der Bergleute kommt es immer wieder zu Streitigkeiten. Graf Georg Ernst zu Erbach versucht 1667 zu vermitteln. Eine Umgehungsstraße, der Erzweg, wird angelegt, der Schwerlastverkehr muss nun nicht mehr durch die Innenstadt rollen. Abraumhalden und der Eingang zur Grube Laura haben sich hier bis heute erhalten.

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