Exkursion in die Vergangenheit, der Arbeitskreis Heimatgeschichte Mühltal führte in den Wald bei Traisa

Karl-Heinz Schanz bei seinen Erklärungen zum Traisaer Grab
  • Karl-Heinz Schanz bei seinen Erklärungen zum Traisaer Grab
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Nahezu 70 Teilnehmer trafen sich im Wald nördlich Traisa zu einer Exkursion, zu der der Arbeitskreis Heimatgeschichte Mühltal eingeladen hatte. Unter Führung von Karl-Heinz Schanz und Kurt Bischoff, beide Mitarbeiter im AHM, ging es zunächst zum unmittelbar am Waldrand gelegenen Traisaer Grab.

Wie die 1902 vorgenommenen Ausgrabungen ergaben, wurde das Hügelgrab um 1200 v. Chr. angelegt. Im Inneren des Grabes fand man damals eine große kreisförmige Steinsetzung und einen kleineren Steinkreis. Wie K.-H. Schanz mit Fotodokumenten belegte, war ein junger Mann bestattet, der eines gewaltsamen Todes verstorben war. Als Grabbeigaben wurden bei der Graböffnung eine Bronzenadel, eine Urne, zwei kleine Tassengefäße und eine Schale gefunden.

Über den Eckweg wurden die beiden Traisaer Hügelgräber erreicht, von denen ein Grabhügel erhalten, der zweite Grabhügel vom Waldweg durchschnitten ist. Bei den 1902 von Wilhelm Soldan vorgenommenen archäologischen Ausgrabungen wurde u.a. ein gut erhaltenes Schwert, eine Pfeilspitze, ein kleines Messer sowie Schmuck und div. Scherben gefunden. Die Ausgrabung brachte auch einen Stein mit eingeritzten Schriftzeichen zu Tage, die aber nicht in die Zeit der Grablegung passen. K.-H. Schanz schloss sich bei seinen Darlegungen der Meinung der Fachleute an, die vermuten, dass der Stein aus dem nahe gelegenen römischen Erdkastell stammen könnte.

Gegenüber den Hügelgräbern befand sich die Hallstattsiedlung, eine aus ehemals drei Behausungen und einer Wasserstelle bestehende Siedlung. K.-H Schanz bedauerte, keine Siedlungsreste zeigen zu können sondern auf Fotografien der Fundstücke und Rekonstruktionszeichnungen angewiesen ist. Bei den Anfang des letzten Jahrhunderts vorgenommenen Ausgrabungen wurde eine Vielzahl von Pfostenlöchern gefunden, die Aufschluss über Abmessungen, Bauweise und Ausrichtung der Häuser gaben. Neben den Pfostenlöchern wurden eine Feuersteinklinge und Keramikfragmente gefunden. Neuere Untersuchungen der Funde ergaben, dass die Siedlung sehr viel älter und der Hinkelsteinkultur, um 3500 v. Chr., zuzuordnen ist. Demzufolge müsste sie richtigerweise Hinkelsteinsiedlung heißen.

Nur wenige Meter von den Hügelgräbern entfernt befindet sich das Waldgrab von Förster Wilhelm Hoffmann, der 1841 geboren und 1927 gestorben ist. Wilhelm Hoffmann entstammt einer bekannten Försterfamilie, die u.a. erstmals die in Amerika beheimateten Douglasien im Wald bei Traisa anpflanzte.

Bei dieser Gelegenheit informierte K. Bischoff über den Wildbann Dreieich, dessen Entstehen, die Ausdehnung sowie die strenge Nutzungsregelung und die Verwaltung durch die Forsthubner, den heutigen Förstern. Der auf die Karolinger zurückgehende Anlage des Wildbanns Dreieich, sind die heute noch bestehenden großen zusammenhängenden Waldflächen zwischen Rhein, Main und dem Vorderen Odenwald zu verdanken.

Ein geheimnisvoller Abschnitt der Exkursion war die Begehung des Steinbuckels. Seine Entstehung geht, wie bei Roßberg, Stetteritz, Otzberg im Großen, auf einen kleineren Vulkanausbruch in der Erdneuzeit vor ca. 35 Millionen Jahren zurück. Ein Lavastrom durchschlug das viel ältere Melaphyrgestein aus der Epoche des Rotliegenden und erstarrte zu einem Basaltschlot. Nach dessen Abbau im alten Bruch, vermutlich schon in römischer Zeit, ist heute noch ein kegelförmiger Kern zu sehen.
Auch das umliegende rotviolette Melaphyrgestein wurde früher zum Mauerbau in Traisa genutzt. Bei der Verwitterung von Melaphyr entsteht rote Erde, die Flur- und Straßennamen Traisas war.
K. Bischoff erklärte die erdgeschichtlichen Zusammenhänge anhand von Tafeln und Bildern.

Auf dem Weg zur Viereckschanze wandte sich K. Bischoff thematisch dem Waldkulturerbe zu, das neben den eigentlichen Waldfunktionen auch alle mit dem Wald in Verbindung zu bringenden Personen und Objekte betrifft. Dazu zählen den Wald thematisierende Maler und Künstler, Dichter und Denker, einschließlich unserem Liedgut.

Letzter Exkursionspunkt war die Viereckschanze direkt am Waldrand gegenüber dem Traisaer Sportplatz gelegen. Auch dieses vermutlich aus der Römerzeit stammende Erdkastell wurde Anfang des letzten Jahrhunderts archäologisch untersucht. Wie K.-H. Schanz berichtete, diente die Anlage wahrscheinlich als Wegelager für durchziehende römische Truppen. Von den das Areal umgebenden Erdwällen mit dahinter liegenden Gräben ist heute kaum noch etwas zu erkennen.

Autor:

Wolfgang Valter aus Mühltal

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