Uralte Traditionen leben

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Uralte Traditionen leben
Unter allen Bräuchen der Karwoche und des Osterfestes, die im Hochsauerland bekannt sind, nimmt die Hallenberger Osternacht eine Sonderstellung ein. Aber auch die Vorbereitungen zum Bau des Osterfeuers haben mich sehr fasziniert.
Bei einem Kurzurlaub in Winterberg konnte ich miterleben, wie in einem kleinen Ort der Bau eines Osterfeuers vonstatten geht. In Verbindung mit vier, in die Erde eingerammten langen Tannen, werden die nach Weihnachten, aussortierten und getrockneten Weihnachtsbäume des Ortes aufgeschichtet bis in eine Höhe von etwa 5 Meter. Dabei wird darauf geachtet, dass alles gut befestigt wird, sonst würde der aufgetürmte Stapel letztendlich doch noch einstürzen. Auf einer langen Leiter stehen die Helfer und reichen sich die Bäume nach oben durch, wo sie befestigt und festgetreten werden. Diese Arbeit kann Stunden dauern, da sie gewissenhaft durchgeführt wird. Dass die Helfer immer mal wieder pausieren versteht sich von selbst, da viel Schmutz und Staub anfällt und somit Haare, Gesicht und Kleider stark strapaziert werden. Zwischendurch gibt es einen kräftigen Eintopf und Kühles zum Trinken. Das Osterfeuer wird in der Regel auf einer Anhöhe gebaut damit die Bewohner des Ortes das Abbrennen, von ihren Häusern aus, beobachten können. Am Abend des Ostersonntags, kurz nach der Dämmerung, läuteten die Glocken der Kirche zehn Minuten, anschließend wird das das Osterfeuer angezündet. Es war weithin sichtbar und wieder einmal gut gelungen. Bewohner und Touristen des Ortes waren begeistert. Nach etwa zwei Stunden war das Feuer heruntergebrannt und die Feuerwehr konnte die Reste löschen. Wie ich erfahren habe, ist an einem anderen Ort der Bau des Osterfeuers abgesagt worden, da die Waldbrandgefahr zu groß war.
Ein weiterer Höhepunkt in meinem Kurzurlaub war die „Krachnacht“ in Hallenberg. Dieses Schauspiel ist einmalig in Deutschland und wird immer an Ostersamstag um Mitternacht vorgeführt. Hinter dem Chor der dortigen Kirche versammel sich kurz nach Mitternacht viele junge Leute, meist Mitglieder des 200 Jahre alten Burschenvereins, Fackeln in den Händen haltend. Dann singen sie ein Passionslied, das nur in Hallenberg vorkommt. Nach verklingen des Liedes setzt ein ohrenbetäubender Lärm ein. Eigen konstruierte „Lärmmaschinen“ werden in Tätigkeit gesetzt, auf Handwagen befestigte Kreissägeblätter jeder Größe mit Hämmern und Eisenstäben geschlagen, großen Rasseln gedreht und selbst Handsirenen aus dem letzten Krieg kommen wieder zu „Ehren“. Dann zieht der „Geisterzug“ durch den verdunkelten Ort, angeführt von drei beleuchteten Kreuzen und vielen Trägern mit Papierlaternen. An Schlafen ist in dieser Zeit vorerst nicht zu denken. Viele Gäste aus Nah und Fern lassen sich nebst den Hallenbergern das Schauspiel nicht entgehen. Nach dem Umzug gehen in den Häusern und auf den Straßen die Laternen wieder an.
Niemand weiß heute mehr, woher der jahrhundertealte Brauch stammt. Heidnischen Bräuchen, wie das Winteraustreiben, können christliche Elemente hinzugefügt worden sein, aber auch ein geschichtliches Ereignis in grauer Vorzeit mag die Ursache gewesen sein.

Autor:

Clemens Schreckenberg aus Pfungstadt

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