Einladung zur Ausstellung und zum Festakt in Pfungstadt

Einladung
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Ein Grußwort zum Geburtstag
150 Jahre Sozialdemokratie in Deutschland
und damit verbunden
123 Jahre Engagement in Pfungstadt
für Frieden und soziale Gerechtigkeit

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,
es müssen mutige Menschen gewesen sein, die sich vor 150 Jahren auf den Weg machten. Frauen und Männer, die sich aufmachten, ein großes neues Kapitel zu schreiben, die Geschichte zu verändern. Waren sie sich dessen bewusst?
Und ich frage mich, ob ihnen klar war, wie lang dieser Weg werden würde. Und steinig. Ob sie die Etappen vor Augen hatten, die sie passieren müssen. Ob sie immer an den Erfolg geglaubt hatten oder voller Zweifel waren.
Das alles weiß ich nicht. Aber ich bin sicher: sie müssen mutig gewesen sein. Denn sie hatten ein unerhörtes Ziel, eine Idee, die alles auf den Kopf stellte, was bis dahin galt. Die Idee von gleichen Rechten für alle Menschen. Die Idee von Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden.
Wenn wir über die Geschichte der SPD reden, reden wir über Mut, Haltung und Fortschritt. Und vor allem: über Menschen. Große Namen sind darunter, die wir alle kennen. Und es geht um viele Millionen Menschen, deren Namen nicht in den Geschichtsbüchern zu finden sind. Deren Fußabdruck aber klar zu sehen ist. Die alle ihren Teil dazu beigetragen haben, die neuen Ideen voranzutreiben.
Und ich bin stolz, auch Teil dieser Partei sein zu können.
Aufgefordert von Ferdinand Lassalle machte sich vor 150 Jahren also die junge Bewegung auf den Weg: „Der Arbeiterstand muss sich als selbstständige politische Partei konstituieren und das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu dem prinzipiellen Losungswort und Banner dieser Partei machen.“
August Bebel erlebte auf diesem Weg, wie man ihm im Reichstag das Wort abschnitt, als er die Machtlosigkeit des Parlamentes offen kritisierte und für eine Verfassung, für ein Parlament eintrat, die diese Namen auch verdienten.
Paul Löbe erfuhr Verhaftung und Gefängnis, weil er aufrief, gegen das undemokratische preußische Klassenwahlrecht auf die Straße zu gehen.
Otto Wels bebende Stimme in der Krolloper schwingt in vielen von uns nach.
Und Marie Juchacz, die Sinnbild und Zeugin des ersten großen Sieges unter dem Banner mit der Losung „freie, gleiche Wahl“ werden durfte.
Mut und Haltung.
Die deutsche Sozialdemokratie lebt in diesen Menschen – und durch diese Menschen: Rechtlose und Geknechtete, Unbequeme und Widerständige, Visionäre und Handfeste. Einfache Menschen. Bürgerinnen und Bürger, für die in diesem Wort große Verantwortung mitklingt.
Und Freiheit: Nicht so leben zu müssen, wie ich soll, sondern so leben zu können, wie ich will. Das für sich erreichen zu können, das treibt an. Und für die anderen Menschen um mich herum: Solidarität. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Chancen – das heißt für uns: Gerechtigkeit. 150 Jahre SPD zeigen, dass Ideen und politische Überzeugungen tragen und halten, dass sie über Generationen hinweg Menschen bewegen und begeistern können.
Wichtig ist aber, dass diese großen Ideen und Programme im Alltag der Menschen spürbar und greifbar werden.
Seit 150 Jahren setzen sich Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten dafür ein, dass das Leben für jede und jeden einfacher und besser wird. Und wir setzen uns dafür ein, dass Güter und Lasten gerechter verteilt werden. Denn wir wissen, dass wir gemeinsam mehr und Besseres schaffen und leisten können, wenn alle den Rücken frei haben. Das ist für uns der Kern sozialer Marktwirtschaft.
Wir waren nie die Bewegung der Großgrundbesitzer und Großbürger, Großindustriellen und Hochfinanz.
In der SPD manifestiert sich die Hoffnung und der Stolz der einfachen, der kleinen Leute: Gemeinsam sind wir stark! Stärker als Kapital und Pfründe. Unsere Bewegung wird ein besseres Deutschland bauen.
Meine Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,
die Sozialdemokratie lebt in und sie lebt durch Menschen, alle verschieden. Aber alle angetrieben von dem festen Willen, die Verhältnisse zum besseren zu verändern.
Es sind ruhige Menschen wie der Sattlergeselle Friedrich Ebert oder streitbare wie Rosa Luxemburg.
Es sind kluge Frauen wie Elisabeth Selbert, die dafür sorgte, das im Grundgesetz unmissverständlich steht: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“
Es sind gezeichnete Menschen wie Kurt Schumacher, der die Spuren von Krieg und Verfolgung sichtbar am Leib trug und in dem doch ein unbezwingbares Feuer loderte.
Es sind bewunderte Menschen wie Willy Brandt, die Zukunft und Zuversicht ausstrahlen, Frieden und Verständigung spürbar machen.
Es sind Menschen wie Elfriede Eilers, die still doch große gesellschaftliche Veränderungen bewirkt haben, für Frauen, Familien und Pflegebedürftige. Wie Regine Hildebrandt, die Enttäuschten Hoffnung geben konnte, Verzweifelten Mut, Verstummten ihre unermüdliche brandenburgische „Schnauze“.
Und es sind Menschen wie Heinz Hoefer. Menschen, die nicht in der ersten Reihe stehen, aber die das Fundament der SPD sind. Er steht stellvertretend für viele, die alle ihren Platz haben. Die alle gebraucht werden. Ohne die die SPD nicht wäre, was sie ist. Die Mitgliederpartei – Politik von Menschen für Menschen. Heinz war Bürgermeister in Berlin-Steglitz. In der Nazi-Zeit musste er ins dänische Exil fliehen. Er hat mehr als die Hälfte SPD-Geschichte selbst erlebt. Heinz ist seit über 83 Jahren Sozialdemokrat.
Und erinnern wir uns an das Ziel, dass die Gründerinnen und Gründer vor 150 Jahren vor Augen hatten: das Leben einfacher und besser zu machen.
Erledigt, Auftrag erfüllt? Ja, vieles haben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten geschafft. Der gesellschaftliche Fortschritt ist ja nicht vom Himmel gefallen.
Denn: „Nichts kommt von selbst“, hat Willy Brandt einmal gesagt. „Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“
Nur wenig ist von Dauer: Gerade heute sind viele gesellschaftliche, viele soziale Fragen wieder brennend aktuell!
Alle erleben doch, wie das Leben heutzutage nicht allmählich besser, sondern vielmehr von Jahr zu Jahr schwieriger wird: Die Lebenshaltungskosten steigen, die Löhne stagnieren. Einem Abschluss, einer Ausbildung folgt immer seltener der Einstieg in den Beruf, oft erst einmal nur zu einem prekären Hamsterrad von Praktika oder Kettenbefristungen zu untertariflichen Löhnen. Auch alle, die es nicht am eigenen Leib spüren, wissen es doch von Kindern und Enkeln aus erster Hand.
Darum setzen wir uns für ordentliche Löhne und anständige Arbeitsbedingungen ein, gegen sachgrundlose Befristungen und die Auswüchse Praktika, einen gesetzlichen Mindestlohn für alle und für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit für Männer und Frauen. – „Wir Frauen sind uns sehr bewusst, dass in zivilrechtlicher wie auch in wirtschaftlicher Beziehung die Frauen noch lange nicht die Gleichberechtigten sind.“
Das ist meine Meinung – doch es waren 1919 die Worte von Marie Juchacz! Es gibt noch so viel zu tun, so viel zu erkämpfen, so viel zu erhalten, das wieder auf der Kippe steht.
Wir wollen, dass die Arbeit geachtet wird und dass diejenigen wertgeschätzt werden, die die Arbeit leisten, aus der der Wohlstand aller kommt.
Darum wollen wir, dass Arbeit zu ordentlichen Löhnen und guten Bedingungen, sozial abgesichert und unbefristet wieder zum Normalfall wird!
Da wird sozialdemokratische Politik für jede und jeden spürbar und erlebbar, meine Damen und Herren, Tag für Tag und überall.
Das ist auch Auftrag aus unserer langen Geschichte: Die SPD als die Kraft, die unsere Gesellschaft gestaltet – frei, gerecht und solidarisch.
Wir müssen uns nicht verstecken. Das können wir selbstbewusst vertreten.
Andere mussten in den Zeiten revolutionärer Aufbrüche, schuldhafter Zusammenbrüche und epochaler Umbrüche oft genug die Brücken hinter sich abbrechen. Unsere Brücke zu den Anfängen aber trägt. Das ist bemerkenswert und außergewöhnlich in der politischen Landschaft. Das macht auch stolz.
Aber die Brücke steht nicht nur auf einer Seite fest. Wir klopfen uns nicht auf die Schultern, wie toll wir sind, weil wir einer so traditionsreichen Partei angehören.
Wir haben immer auch die Brücke in die Zukunft geschlagen. Am Anfang als Utopie. Dann mit immer mehr realen Veränderungen. Und immer mehr Verantwortung. Wagnis und Sinn für die Wirklichkeit. Leidenschaft und Augenmaß.
Hochgesteckte Ziele und Durchhaltevermögen, ein langer Atem für tatsächlichen Fortschritt.
Die Sozialdemokratie hat die Arbeiterinnen und Arbeiter zur Hoffnung ermuntert, als eine bessere Zukunft kaum erreichbar schien. Sie hat Verbote und Verfolgungen überdauert und überlebt. Sie hat nach den verheerenden Kriegen den Wiederaufbau zu ihrer Sache gemacht.
Die Ostpolitik unter Willy Brandt hat den Eisernen Vorhang erst durchlässiger gemacht und später geholfen, ihn ganz zu überwinden. Helmut Schmidt hat in schwierigen Zeiten Ökonomie und Soziales zusammengebracht. Mit Gerhard Schröder haben wir Deutschland modernisiert und eigenständige außenpolitische Verantwortung bewiesen. Peer Steinbrück kann der nächste in dieser stolzen Reihe sein.

Meine Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,
was damals in Leipzig und anderswo begonnen hat, verdient eine Zukunft. Denn es bleibt noch so viel zu tun, damit das alltägliche Leben besser wird, damit Ordnung geschaffen wird auf dem Arbeitsmarkt, das regellose und zügellose Treiben aufhört, Arbeit wieder im Mittelpunkt steht in Deutschland und Europa!
Damit mehr Leute Arbeit finden, von der sie ihre Miete bezahlen können, von der sie ordentlich leben und ihre Familie ernähren können und ihren Kindern eine gute Bildung ermöglichen!
Damit Gesundheit für alle bezahlbar bleibt, dass jeder genug hat, um auch für das Alter vorzusorgen, und keiner Angst haben muss, dass er auf sich allein gestellt ist, wenn er Hilfe braucht!
„Wenn Du was verändern willst...“ So ist der Titel eines Films über die 150-jährige Geschichte der SPD. Wenn Du was verändern willst, musst Du Dich auf den Weg machen. So wie die mutigen Frauen und Männer vor 150 Jahren. So wie viele Frauen und Männer nach ihnen. Sie alle haben uns vorgemacht, was wir gemeinsam schaffen können. Menschen für Menschen.
Sie haben Geschichte geschrieben. Es erfüllt mich mit Stolz, Teil dieser Partei zu sein.
Und ich bin sicher: viele von uns spüren die Verpflichtung, für eine Zukunft zu kämpfen, die unserer Tradition würdig ist. Schreiben wir die Geschichte weiter. Machen wir uns auf den Weg.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Harald Polster
Vorsitzender des SPD Ortsvereins Pfungstadt

Einladung
Patrick Koch: Bürgermeisterkandidat für Pfungstadt

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