Obernfeld der Bundesliga-Krösus

André Kopp
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Die Anreise war wie so häufig lang. Von Obernfeld bei Göttingen
nach Ailingen im Bodenseekreis: 570 Kilometer. Aber das hinderte
André und Raphael Kopp nicht, am letzten Spieltag den Sack
zuzumachen. Einmal mehr Tore satt (28) sicherten dem RV
Obernfeld den Sieg in der Bundesliga. Im Fernduell holte
Vizeweltmeister Stein (bei Nürnberg) Rang 2, Dritte der
Staffelrunde mit zehn Mannschaften wurde Waldrems (bei
Backnang). Auch Steins 2. Mannschaft (Vierter) und Schiefbahn
(bei Viersen) (Fünfter) lösten ihre Tickets für die Teilnahme an der
nationalen Meisterschaft und den beiden WM-Qualifikationen „Final
Five“ in der zweiten Saisonhälfte – dann mit Blickrichtung
Weltmeisterschaft.
36 Grad, daneben das Wellen-Freibad: nicht alle Sportfans rund
um Friedrichshafen wählten den Gang in die Rotachhalle.
Verständlich. Dennoch zog BDR-Radball-Koordinator Sebastian
Kotb eine zufriedenstellende Bilanz der im Januar gestarteten
Serie. "Ein verdienter Staffelsieg für die abgeklärt auftretenden
Obernfelder am Ende einer selektiven Saison. Aber wir haben, mit
Stein und Waldrems, aktuell drei Teams, die auch international
vorzeigbar sind.“ Bemerkenswert dabei die Aufholjagd des RSV
Waldrems nach einer langen Verletzungspause von Björn
Bootsmann. Ailingen brachte beim finalen Heimspiel den
Klassenerhalt unter Dach und Fach, während Neuling Reichenbach
trotz erneut großer Publikums-Unterstützung wieder runter muss.
Doch ein La Ola der Fans nach dem letzten Liga-Auftritt mit 15
Gegentoren, das hat Seltenheit und berührte.
André und Raphael Kopp kamen erst nach Mitternacht zuhause an,
die Feier wird nachgeholt. Und die Ziele neu definiert. „Im letzten
Jahr wurden wir früh in die WM-Rolle gedrängt und dann lief es in
der zweiten Saison-Hälfte nicht so. Jetzt planen wir Schritt für
Schritt: Final-Five-Turniere, Meisterschaft, Weltcup, dann sieht man
weiter“, so die beide Bundesliga-Champions. Erst im zweiten Jahr
zusammen, harmoniert das Duo vom RV Stahlross zunehmend
besser. Obgleich Raphael noch Optimierungsmomente sieht. „Bei
der Abstimmung, dem Abschluss, den Ecken.“
Rückschloss und Haedicke: „Unsere Leistung war nicht zufriedenstellend, das hatten wir uns anders vorgestellt. Aber wir nehmen auf
jeden Fall etwas mit: internationale Elite-Luft zu schnuppern.“
Die Kopps agieren konstant und ohne Hektik. Blieben in 22 Partien ungeschlagen,
erzielten die meisten (147) Tore bei den wenigsten Gegentreffern. Eine SahneSaison, obgleich beide einschränken: „Gerade gegen Top-Clubs entscheiden
Kleinigkeiten und hier sind wir zu ungenau.“ Wie lange die beiden Radballer noch
auf dem Parkett agieren wollen, lassen sie offen („wir sind nicht mehr die
Jüngsten“) – und nahmen bei der Schlussfeier stolz den Silberteller des BDR
entgegen. Auch ein Händedruck gehört zum Prozedere. Das bringt Rapha sanft
ins Grübeln. Was wäre mit der Rosshaarkugel noch alles möglich: bei einer
Anreise am Tag vorher ausgeruht aufs Feld rollen. In den meisten Sportarten
selbstverständlich, während Hallenradsportler improvisieren (und rechnen)
müssen.
(Quelle: ISK-Presseservice "Hallenradsport")

Autor:

Gido Heß aus Reichelsheim

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