Vortrag - Maly Trostinec: Vernichtungsort in Weißrussland

Vortrag und Informationsveranstaltung

Maly Trostinec
Vernichtungsort in Weißrussland

am Montag, 15. Mai 2017 um 19.30 Uhr
in der ehemaligen Synagoge Erfelden in Riedstadt, Neugasse 43
Vortragender: Walter Ullrich

- Eintritt : frei
- Spenden sind willkommen

Maly Trostinec
Auf einer Karte von Weißrussland ist Maly Trostinec („das kleine Trostinec“) als
eigenständiger Ort heute nicht mehr zu finden.
Im 2. Weltkrieg lag Maly Trostinec rund 15 km von Minsk entfernt, heute ist
es Teil des städtischen Großraums von Minsk geworden.

Es finden sich unter der Bezeichnung Maly Trostinec :
- Die ehemalige Karl-Marx-Kolchose und das stätere SS-Gut Trostinec
- Das von den Deutschen errichtete Lager Trostinec
- Der in einer Waldlichtung gelegene Exekutionsort Blagowtschina
- Der Ortsteil Schaschkowka mit dem später errichteten Krematorium
- Und die eigentliche Ortschaft Maly Trostinec mit ihren 92 Bauernhöfen,
die von der Deutschen Besatzungsmacht 1943 zum Wehrdorf erklärt
wurde. D.h. alle Bewohner (270 Erwachsene und 500 Kinder) mussten
das Dorf verlassen.

Wie lässt sich ein Ort wie Maly Trostinec in den Gesamtprozess der
nationalsozialistischen „Endlösung der Judenfrage“ einordnen ?

Maly Trostinec stellt eine Zwischenstufe zwischen Massenvernichtungsstätte und
Vernichtungslager dar. Hierfür spricht, dass Sicherheitspolizei und SD beständig
daran arbeiteten, das Mordverfahren zu rationalisieren.
Maly Trostinec steht damit sinnbildlich für die Phase des Übergangs zur industriellen
Massenvernichtung.
Auffällig ist, dass Maly Trostinec trotz seines provisorischen Charakters von
mörderischer Effizienz war.

Insgesamt – das ist eine grobe Schätzung – könnten 60.000 Menschen
bei Trostinec vernichtet worden sein.

Genaue Angaben sind unmöglich, da die Massengräber ab Oktober 1943 vom deutschen Sonderkommando 1005 exhumiert und die Leichen verbrannt wurden.
Die Aussagen der daran Beteiligten weisen ebenfalls auf 40.000 bis 50.000 Tote in den
dortigen Massengräbern hin.

Autor:

Jürgen Hedderich aus Groß-Gerau

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