Seismische Untersuchungen der Firma Rhein Petroleum zur Erschließung von Erdöl- und Erdgasreserven

Die Firma Rhein Petroleum hat auf der Gemarkung von Riedstadt mit den vorbereitenden Maßnahmen zu den angekündigten seismischen Untersuchungen gestartet: Aktuell werden hierzu in Crumstadt, Goddelau und Erfelden und ab kommender Woche (8. Kalenderwoche) auch in Wolfskehlen Punkte im Gelände festgelegt und mit farblich gekennzeichneten und nummerierten Holzpflöcken markiert. Diese Pflöcke zeigen an, wo später Erdmikrofone (gelbe Bändchen) ausgelegt und die Vibrationsfahrzeuge kurz zum Messen halten werden (rote Bändchen). Dies geschieht von Hand nach einem vorher festgelegten Plan mit Hilfe von GPS-Daten, so dass sowohl für die spätere Mikrofonauslage als auch für die Messpunkte imaginäre Linien entstehen.
Parallel dazu werden auf der südlichen Gemarkungsseite bei Crumstadt die ersten Kabel und Erdmikrofone ausgelegt.
In der Folge wird Rhein Petroleum voraussichtlich Anfang/Mitte März auf der Gemarkung von Riedstadt die eigentlichen seismischen Hauptmessungen starten, die mit Schallwellen den Experten Hinweise darauf geben, ob möglicherweise Erdöl im Untergrund vorhanden ist. Als bewährtes Messverfahren wird die sogenannte Vibroseismik angewandt, die speziell dafür entwickelt wurde, um auch in bebauten Gebieten seismische Untersuchungen durchführen zu können.
Bereits im Dezember ist aus Rücksicht auf besondere Anforderungen des Naturschutzes das Naturschutzgebiet Kühkopf vorgezogen und abschließend vermessen worden. Denn um ein dort ansässiges Uhupaar zu schützen, war es notwendig, dass im Naturschutzgebiet die Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen waren. Daher hat die Heidelberger Firma damals ihre Pläne kurzfristig geändert und eine Gesamtfläche von rund 25 Quadratkilometern vorgezogen. Um ein genaues Bild vom Kühkopf-Untergrund zu erhalten, war es damals notwendig, auch auf der Gemarkung Biebesheim und in Stockstadt sowie in den Riedstadt-Gemeinden Goddelau und Erfelden zu messen.
Bei den seismischen Untersuchungen fahren die geländegängigen, LKW-ähnlichen Spezialfahrzeuge mit Straßenzulassung die Messstrecke ab und messen an jedem vorbereiteten Punkt. Durch das hydraulische Absenken einer Bodenplatte werden für etwa zehn bis zwölf Sekunden leichte Schallwellen in den Untergrund gesendet, die von den jeweiligen Gesteinsschichten reflektiert werden und so wieder an die Erdoberfläche zurück gelangen. Die Reflexion dieser nicht hörbaren Schallwellen wird von bis zu 20.000 Erdmikrofonen aufgezeichnet und direkt an einen Messwagen geleitet.
Beim Aussenden der Schallwellen ist lediglich unmittelbar neben den Fahrzeugen ein leichtes Vibrieren zu spüren, im Radius von wenigen Metern Abstand bemerkt man nichts mehr. Darüber hinaus werden die Messungen und das Einhalten behördlich vorgegebener Richtlinien permanent überwacht.
Diese speziell auch für bewohnte Gegenden entwickelte, sehr schonende 3-D-Seismik ermöglicht eine Darstellung des Untergrunds bis in Tiefen von mehreren Kilometern. Um ein möglichst aussagekräftiges Bild zu bekommen, macht der Messtrupp etwa alle 40 Meter Halt, so dass der Zug pro Tag eine Strecke von etwa drei bis vier Kilometern zurücklegt – je nach örtlicher Gegebenheit.
Dabei bewegen sich die Fahrzeuge ausschließlich auf von den jeweiligen Eigentümern oder genehmigenden Behörden sowie Städten und Gemeinden freigegebenen Straßen, Wegen und Flächen.
Aus technischen Gründen werden die Kabel etwa ein bis eineinhalb Wochen vor dem Auftauchen der Vibroseis-Fahrzeuge ausgelegt. Im Gelände zu sehen sind 11 bis 15 dieser Kabellinien mit Abständen von jeweils 200 Metern. So entsteht ein Messaufbau, der von den Vibroseis-Fahrzeugen abschnittsweise im Zick-Zack-Kurs abgearbeitet wird.
Sind Dreiviertel eines Abschnitts durchmessen, werden die jeweils südlichsten Kabelauslagen abgebaut und am nördlichsten Teil wieder ausgelegt. Die Experten sprechen von einem „rollenden“ Messaufbau. Innerhalb eines Messabschnitts nehmen gleichzeitig mehr als 20.000 Erdmikrofone die von den Gesteinsschichten reflektierten Schallwellen auf.
Die Untersuchungen im Lizenzgebiet „Nördlicher Oberrhein“ decken insgesamt eine Fläche von 245 Quadratkilometer ab. Das Vermessungsgebiet beginnt nördlich von Lampertheim und erstreckt sich bis an den Stadtrand von Griesheim. Im Westen wird es durch den Rhein begrenzt, im Osten in etwa durch die Autobahn A67. Auf einer kleinen Fläche, die die Stadt Worms einschließt, findet die Vermessung auch auf der rheinland-pfälzischen Seite statt.
Ziel ist es, konventionelle Erdöl- oder Erdgasreserven zu entdecken. In Südhessen begann schon 1952 die kommerzielle Förderung von Erdöl. Insgesamt konnten bis 1994 aus insgesamt 47 Bohrungen knapp 7 Millionen Barrel gefördert werden. Das Öl sammelte sich in Schichten, die zwischen 1.500 und 1.700 Meter tief unter der Oberfläche liegen. Im Naturschutzgebiet Kühkopf bei Riedstadt steht heute noch die letzte Pferdekopfpumpe aus dieser Abbauperiode.

Negatives :
Die Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in der deutschen Ostsee könnte schon bald das Leben vieler geschützter Meeresbewohner gefährden. Besonders dem vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal könnte es dann an den Kragen gehen. Das Bergamt in Stralsund hat der kanadischen Firma Central European Petroleum CEP vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestattet, die Lagerstätten zu erkunden. Betroffen sind mindestens sechzehn Meeresschutzgebiete, die dem Schweinswal und anderen bedrohten und seltenen Meerestieren als Rückzugsgebiet dienen. Die deutschen Umweltverbände sehen darin eine Missachtung des Umweltrechts und kündigen scharfen Widerstand an. Mehr als 13.800 Quadratkilometer Erlaubnisfelder hat CEP nach eigenen Angaben zugesprochen bekommen. Diese überschneiden sich mit Meeresschutzgebieten in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns und der deutschen "Ausschließlichen Wirtschaftszone" der Ostsee. Hier leben die streng geschützten Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben, seltene Fischarten wie Stör oder Finte und mehr als 20 geschützte Vogelarten wie Seetaucher und Flussseeschwalben. Die Umweltverbände kritisieren, dass CEP und das Bergamt Stralsund diese Tatsachen bewusst ignorieren und durch die geplanten seismischen Untersuchungen schwere Schäden in den einzigartigen und geschützten Gebieten riskieren.

Autor:

R. Weber aus Riedstadt

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.