Lieblingsdisziplin? „Das Essen hinterher“

Um das große Gedränge zu vermeiden, starteten die knapp 900 Teilnehmer beim 17. Rodgau-Triathlon in mehreren Gruppen in den Nieder-Röder Badesee.
  • Um das große Gedränge zu vermeiden, starteten die knapp 900 Teilnehmer beim 17. Rodgau-Triathlon in mehreren Gruppen in den Nieder-Röder Badesee.
  • hochgeladen von Paul Lohse

Rodgau – Beim 17. Rodgau-Triathlon im und rund um den Nieder-Röder Badesee waren wieder alle Altersklassen und Leistungsstufen vertreten. Menschen mit Behinderungen, Breitensportler, ambitionierte Sportler und Mannschaften aus der hessischen Triathlon-Liga und Regionalliga nahmen an den Wettbewerben über drei verschiedene Distanzen (Sprint, Jedermann, Olympisch) teil. Jüngste Starterin war Johanna Uherek mit 14 Jahren. Der Rodgauer Kali Flach stellte mit 80 Jahren den ältesten Starter. Ein Sportereignis also, das Generationen verbindet.

Bei besten Bedingungen und vor großartiger Kulisse mit mehreren hundert Zuschauern absolvierten die Sportler das Schwimmen im Nieder-Röder bei einer angenehmen Wassertemperatur von 23 Grad Celsius. Wie im Vorfeld angesichts der hochsommerlichen Temperaturen in den vergangenen Wochen zu erwarten war, war das Tragen eines Neoprenanzugs in diesem Jahr verboten.

Im Ziel gab es zahlreiche neue Sieger zu begrüßen. Über die Jedermann-Distanz sicherte sich Markus Responder (Tria-Team Bruchköbel) in 43:47 Minuten den Gesamtsieg, bei den Frauen überquerte Anna Schloss (ASC Darmstadt) als Siegerin das Ziel. Schloss war 46:18 Minuten unterwegs, unterbot damit den acht Jahre alten Streckenrekord von Steffi Zänzler um über zwei Minuten und belegte in der Gesamtwertung den herausragenden siebten Platz. Über die Olympische Distanz ließ Jan Petralia (Les Tritons Meldois) in 1:58:25 Stunden alle Konkurrenten hinter sich. Bei den Frauen bejubelte Kristina Ziemonis (LC Olympia Wiesbaden) in 2:15:34 Minuten den ersten Platz. In der Gesamtwertung erreichte sie Rang zwölf. Großes Pech hatte der Jügesheimer Steffen Rupp (Tribee Triathlon Team), der über die Olympische Distanz als Erster ins Ziel kam, aber in der falschen Startgruppe gestartet war und disqualifiziert wurde. Staffelsieger über die Olympische Distanz wurden erwartungsgemäß die Favoriten Besi & Friends in 2:05:51 Stunden. Namensgeber Andreas Beseler war nach längerer Verletzungspause nur als Fan dabei, der Hainhäuser Steffen Hartig, Rodgau-Sieger der Jahre 2002 (Jedermann) sowie 2004 bis 2007 (Olympische Distanz), übernahm den Schwimmpart. Auf der Sprintdistanz siegte die Kegelmann Technik-1 aus Rodgau in 52:39 Minuten.

Ein paar Zahlen zum Wettbewerb: Die Athleten wurden auf den Wettkampfstrecken und am Versorgungsstand mit etwa 800 Litern Stilles Wasser, 180 Litern Cola und 300 Litern Apfelsaft, 90 Kilogramm Bananen, 60 Kilogramm Weintrauben, 160 Melonen, zehn Kilogramm Äpfeln und jede Menge an Keksen versorgt.

Der Urberacher Andreas Göttig (46) belegte über die Jedermann-Distanz in 46:31 Minuten den achten Platz und wurde damit in seiner Altersklasse M45 Zweiter. Gemeinsam mit seinem Trainingspartner Andreas Klisch (Elfter in 48:03 Minuten) aus Frankfurt startete er für die Osteopathie Christina Göttig - die Praxis seiner Frau. Der gebürtige Marburger lebte 35 Jahre lang in Neu-Isenburg, zog dann vor zehn Jahren nach Urberach. „Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich nicht mal Turnschuhe besessen“, schmunzelt Göttig. Seine Frau, eine ehemalige Leistungsschwimmerin, überredete ihn dann zum gemeinsamen Joggen. „Die 20 Minuten habe ich bitter bereut“, erinnert er sich nur ungern an den Muskelkater am Folgetag. Aber der Ehrgeiz war geweckt. „Ich habe dann heimlich trainiert“, lacht der 46-Jährige. Noch im gleichen Jahr (2003) lief er in Frankfurt seinen ersten Marathon (unter vier Stunden) und nahm auch am Rodgau-Triathlon teil. 2007 folgte der erste Ironman in Roth – und Göttig blieb unter zehn Stunden. Und welches ist seine Lieblingsdisziplin? „Das Essen hinterher.“ Wer derart sportlich unterwegs ist, kann eben nachher auch bedenkenlos Futtern. Sport betreibt Andreas Göttig „um fit zu bleiben.“ Er trainiert nicht nach Plan, kommt mit sechs, sieben Stunden die Woche aus. „Mountainbiking würde mich noch reizen“, sagt er.

„Das war eine Superveranstaltung“, sagt Thomas Basaldella aus Jügesheim. Der 56-Jährige belegte über die Jedermann-Distanz in 1:04:50 Stunden den 106. Platz und wurde in der M55 Siebter. Er bezeichnet sich selbst nicht als den „ambitionierten Triathleten, aber wenn es zeitlich passt, absolviere ich einen Wettkampf im Jahr.“ Das Schwimmen ist nicht seine Lieblingsdisziplin, Laufen und Radfahren ist reizvoller. „Wenn auch nicht die ganz großen Distanzen“, sagt er. Für seinen Sohn Fabian war der Wettkampftag ein ganz besonders sportlicher: Morgens Triathlon (1:01:23 Stunden, 4. der M20) und nachmittags gewann er mit den Fußballern des JSK Rodgau 2 in der Kreisliga A gegen die Sportfreunde Seligenstadt 2 mit 4:1.

Das Ehepaar Frank (57) und Brigitte (54) Riesenbürger aus Offenbach startete gemeinsam für den EOSC Offenbach über die Olympische Distanz. Frank Riesenbürger erreichte in 2:56:38 Stunden in der M55 den 22. Platz, Brigitte Riesenbürger freute sich als Drittplatzierte der W55 in 3:00:26 Stunden sogar über einen Podestplatz. 2000 haben die Beiden gemeinsam mit dem Laufen begonnen. Ganz harmlos, ohne Ambitionen“, erklärt Frank Riesenbürger. Nach einem beziehungsweise zwei Jahren folge dann doch die erste Teilnahme an einem Marathon. 2005 wurde den beiden Offenbachern das Laufen zu langweilig, sie begannen mit dem Triathlon. „Von da an waren wir voll motiviert dabei“, schmunzelt Frank Riesenbürger. Einen ihrer ersten Triathlons absolvierten die Beiden in Nieder-Roden, 2008 nahm Frank Riesenbürger an seinem ersten von bisher vier Ironmans teil, seine Frau Brigitte legte die Langdistanz erstmals 2009 zurück. Bisher startete sie dreimal beim Ironman. „An so einem Heimtriathlon wie in Rodgau, der ja fast vor der Haustür liegt, nimmt man einfach teil“, erklärt Frank Riesenbürger. Ein Ironman steht zunächst einmal nicht auf dem Plan der beiden Offenbacher, für das nächste Jahr haben sie sich die eine oder andere Mitteldistanz vorgenommen.

„Das war ein wunderbarer Tag, ein super tolles Erlebnis“, schwärmt Frank Steinheimer aus Dietzenbach. Gemeinsam mit seinen Söhnen Lars (15) und Jan (19) startete er in der Jedermann-Staffel. Das Team „Steini Power“ belegte unter zehn Mannschaften den vierten Platz. Das Besondere daran: Lars fehlen Hüfte und Steißbein, er ist ab dem Bauchnabel abwärts gelähmt. Der junge Dietzenbacher leidet unter dem Kausalen Regressionssyndrom, einer seltenen Krankheit, die zu Beginn der Schwangerschaft entsteht. Im Kopf ist Lars völlig klar und besucht in Dietzenbach das Gymnasium. „Er wollte unbedingt Sport betreiben, vom Kopf her konnte er sich aber mit seiner Behindertensportgruppe in Frankfurt nicht identifizieren“, erklärt Frank Steinheimer, der seit knapp fünf Jahren Triathlonsport betreibt. Und so schwimmen beide seit zwei Jahren regelmäßig, nur mit der Kraft seines Oberkörpers legt Lars die 2000 Meter in 1:10 Stunden zurück.

Und dann kam bei Lars der Wunsch auf, bei einem Triathlon zu starten. Ein Arzt stellte das notwendige Gutachten für eine Teilnahme aus, auch Rodgau-Triathlon-Organisator Dieter Dackau gab sein Okay. Lars Steinheimer trainierte noch engagierter auf dieses Ziel hin. „Wir sind als Familie erprobt in Sachen Zusammenhalt. Für ihn persönlich, für seinen Kopf und sein Selbstbewusstsein war die Teilnahme sehr wichtig“, sagt Frank Steinheimer über seinen Sohn, der mit Bodybuilding seinen Oberkörper zusätzlich stärkte. „Denn Letzter wollten wir nicht werden“, schmunzelt Frank Steinheimer.

Als Lars, begleitet von seinem Vater und einer DLRG-Schwimmerin auf einem Surfbrett, das Ufer erreicht, liegen sogar noch Teilnehmer hinter ihm. Unter dem Beifall der Zuschauer „läuft“ er auf seinen Händen noch den Hang hinauf, klatscht dann seinen Vater ab, der sich auf das Rad schwingt. Mutter Petra kümmert sich um ihren Sohn, während der Papa mit dem Rad den Wettkampf fortsetzt und anschließend an seinen älteren Sohn Jan übergibt, der das Laufen übernimmt. Im Ziel feiern die vier Steinheimers den tollen Wettkampf und nehmen schon den nächsten Triathlon ins Visier: die Ironman-Staffel.

Gregor Wolf (50) aus Seligenstadt vertrat in Nieder-Roden die Farben der EKG Heusenstamm. Die Eigenständige Kunstturn-Gruppe gründete sich vor sechs, sieben Jahren aus ehemaligen Kunstturnern aus dem Rhein-Main-Gebiet (Heusenstamm, Seligenstadt, Dietzenbach, Frankfurt, Wiesbaden, die weiteste Anfahrt hat Wolfgang Petzold aus der Nähe von Schotten im Vogelsberg), die als Gegenpol zum Leistungssport den Volkssport Turnen in den Vordergrund stellen. Wolf war selbst 25 bis 30 Jahre im Wettkampfturnen aktiv, vor einigen Jahren begann er mit dem Triathlon. „Aufgrund einer Thekenwette“, lacht er. Die Turner stellten bereits beim Ironman in Roth eine erfolgreiche Staffel, im Einzel startete Gregor Wolf schon mehrfach über die Mitteldistanz in Wiesbaden, die allerdings nicht mehr angeboten wird. „Der Rodgau-Triathlon ist eine Veranstaltung vor der Haustür, da sollte man einfach dabei sein“, sagt er. „Das war wieder eine Superveranstaltung, familiär, bestens organisiert. Der Rodgau-Triathlon ist ein fester Bestandteil in meinem Sportkalender“, meint Wolf, der in 2:36:19 Stunden über die Olympische Distanz in der M50 den 17. Platz belegte.

Sarah Henting (16) aus Hausen feierte über die Jedermann-Distanz ihre Triathlon Premiere. Normalerweise spielt sie Tennis: Für Teutonia Hausen in der Damenmannschaft und gleichzeitig für die U18-Juniorinnen des TC Heusenstamm. In Nieder-Roden startete sie für die Teutonia. „Ich war ziemlich aufgeregt, da es für mich etwas komplett Neues und Anderes im Vergleich zum Tennis war.“ Sarah Henting meisterte ihre Premiere erfolgreich, nach 1:25:12 Stunden überquerte sie zufrieden die Ziellinie. Sie sagt: „Zum Triathlon bin ich durch meinen Vater gekommen, der selbst vor ein paar Jahren erst damit angefangen hat. Und da Rodgau bei uns um die Ecke liegt und nicht viele einen Triathlon für Jedermann anbieten, hab ich diese Chance genutzt und mich dazu entschlossen, teilzunehmen.“ Klare Ziele hat sie sich weder für den Triathlon, noch für das Tennis gesetzt. „Ich sehe die beiden Sportarten als Hobby, die einen Ausgleich zur Schule darstellen, gut für die Gesundheit sind und natürlich auch Spaß machen. Gewisse Ziele habe ich aber insofern, dass ich sage, ich will beide Sportarten, die ja doch sehr unterschiedlich sind, weiter ausüben und mich über die Zeit verbessern. Über kommende Siege oder Medaillen würde ich mich aber trotzdem freuen“, schmunzelt die 16-Jährige.

Das Lauf- und Tria-Team Seligenstadt, die Lauf- und Triathlon-Abteilung der Sportvereinigung, schickte in der Masterliga (über 50 Jahre) ein Team mit Torsten Zervas, Stefan Litz und Michael Thiem an den Start. Das Trio belegte über die Olympische Distanz den sechsten Platz unter acht Teams. „Früher waren wir in dieser Liga sehr gut, jetzt sind wir nicht mehr so super wettbewerbsfähig“, sagt Michael Thiem, der in Mühlheim wohnt, aber für die Seligenstädter startet. „Bei den anderen Mannschaften rückt immer wieder frisches Blut nach, bei uns leider nicht“, sagt Miehm, mit 60 Jahren einer der ältesten Starter in der Masterliga. Mit dem Triathlon hat er vor rund 30 Jahren begonnen, „hobbymäßig ohne große Ambitionen“. Nachdem er jedoch erstmals den Hawaii-Triathlon im TV verfolgt hatte, „wollte ich das auch einmal machen“, sagt Thiem. Es folgten einige Ironman-Teilnahmen. Nach längerer Pause wagte er sich in diesem Jahr in Frankfurt nochmals auf die Langdistanz, „nach 20 Kilometern Laufen habe ich aber aufgehört“, erklärt er. Teamkollege Stefan Litz erreichte dagegen 2018 erneut das Ziel auf dem Frankfurter Römer. Drei der vier Wettbewerbe in der Masterliga sind absolviert, der Saisonabschluss findet in zwei Wochen gleichzeitig mit der Hessenmeisterschaft über die Olympische Distanz in Bad Arolsen statt.

Autor:

Paul Lohse aus Rodgau

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