Mainpokal 2018 stellt alles in den Schatten

Das Entscheidungsspiel um den Einzug in das Halbfinale zwischen den Sportfreunden Seligenstadt (links mit Patrick Hofmann) und Germania Klein-Krotzenburg (mit Maximilian Schösser) war eines der spannendsten beim Mainpokal 2018 in Froschhausen. Nach einem 0:3-Rückstand glichen die Sportfreunde zum 3:3 aus, am Ende aber gewannen die Hainburger mit 4:3.
  • Das Entscheidungsspiel um den Einzug in das Halbfinale zwischen den Sportfreunden Seligenstadt (links mit Patrick Hofmann) und Germania Klein-Krotzenburg (mit Maximilian Schösser) war eines der spannendsten beim Mainpokal 2018 in Froschhausen. Nach einem 0:3-Rückstand glichen die Sportfreunde zum 3:3 aus, am Ende aber gewannen die Hainburger mit 4:3.
  • hochgeladen von Paul Lohse

Seligenstadt - Zum 45. Mal ermittelten die Fußballmannschaften aus dem Offenbacher Ostkreis zwei Wochen lang in Froschhausen ihren Mainpokalsieger. Das größte Turnier der Region bot bereits in der Vergangenheit einige Kuriositäten. 2018 stellte allerdings alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Zunächst aber ein kleiner Rückblick: 2004 kamen die Zuschauer vergebens am Eröffnungsspieltag auf das Sportgelände der Sportfreunde nach Seligenstadt: Nach heftigen Regenfällen musste der erste Spieltag verschoben werden. Zwei Jahre später in Hainstadt fiel das Endspiel zwischen den Sportfreunden und der TuS Klein-Welzheim buchstäblich ins Wasser – ein Gewitterregen machte den Platz unbespielbar. Einen Nachholtermin zu finden, war gar nicht so einfach. Für den Sonntag hatte der damalige Sportfreunde-Trainer Peter Löhr seinen Jungs schon freigegeben, ein Testspiel am Dienstag gegen Viktoria Kahl wollte der damalige Landesligist nicht absagen. Also wurde am folgenden Donnerstag (bei Sonnenschein) gekickt – Bezirksligist Klein-Welzheim stellte dem Favoriten mit einem 1:0-Sieg erfolgreich ein Bein.

Das Turnier in Hainstadt bedeutete gleichzeitig das Ende der besten Zeit der Klein-Welzheimer, die zwischen 2002 und 2006 fünfmal das Finale erreichten und viermal den Mainpokal gewannen. Fortan dominierte wieder „Rot“ - zehnmal hintereinander trugen sich die Sportfreunde in die Siegerliste ein, vergebens hofften die Zuschauer auf einen Ausrutscher des großen Favoriten. 2013 verloren die „Roten“, in Klein-Welzheim das unbedeutende letzte Gruppenspiel gegen die TSG Mainflingen mit 1:2, anschließend folgten 17 Siege in Folge, ehe die „Roten“ 2016 – wieder in Hainstadt – gegen den SVG Steinheim im Gruppenspiel mit 0:1 unterlagen, letztlich aber dennoch den Pott holten.

Mit dem Hessenliga-Rückzug 2017 endete allerdings die Dominanz der Sportfreunde. In Klein-Auheim mussten sich die „Roten“ nach ihrem freiwilligen Rückzug in die Gruppenliga mit Platz drei zufrieden geben. Sieger der 44. Auflage wurde die TSG Mainflingen, die im Elfmeterschießen gegen den Mainhausener Rivalen SV Zellhausen erstmals den Turniersieg feierte.

Und dann kam die 2018er-Auflage. Nach ihrem Abstieg in die Kreisoberliga galten die Sportfreunde nur als Außenseiter, Favorit war der einzige Gruppenligist im Wettbewerb, die Germania aus Klein-Krotzenburg. Und Mainflingen, frisch in die Kreisoberliga aufgestiegen, hoffte auf die erfolgreiche Titelverteidigung. Während die TSG mit zwölf Punkten erfolgreich durch die Gruppe A marschierte, überschlugen sich in der Gruppe B die Ereignisse. Die Favoriten ließen Federn, A-Ligist Spvgg. Hainstadt schwang sich zwischenzeitlich zum Überraschungsteam auf – am Ende standen vier Mannschaften mit jeweils sieben Punkten gemeinsam auf Platz eins. Das beste Torverhältnis wiesen die Sportfreunde (15:3) auf – doch das spielte erstmals keine Rolle.

Denn: Bereits bei der Nachbesprechung des Mainpokals 2017 im November vergangenen Jahres – die Sportfreunde fehlten auf dieser Sitzung entschuldigt – einigten sich die Vereine darauf, dass bei Punktgleichheit fortan der direkte Vergleich entscheiden sollte. Nun hatte sich aber keiner der Vereinsvertreter so richtig mit den Auswirkungen dieser Regelung befasst – vor allem nicht, wie der direkte Vergleich anzuwenden ist, wenn vier Mannschaften punktgleich sind. Umso größer war das Entsetzen bei den Sportfreunden, als klar wurde, dass sie bei korrekter Auslegung der Regel das Halbfinale verpassen würden. Lange Diskussionen nach dem letzten Gruppenspieltag waren die Folge, an der Entscheidung der Turnierleitung änderte sich an diesem Abend aber nichts mehr.

Dafür aber am nächsten Morgen. Angesichts der Tatsache, dass diese Konstellation so in keiner Weise im Vorfeld bedacht wurde, entschied sich die Turnierleitung im Sinne des Fußballs, des Fair-Play-Gedanken und zum Wohle des Mainpokals, zur Durchführung eines Entscheidungsspiels um Platz zwei zwischen Klein-Krotzenburg und den Sportfreunden. Teutonia Hausen stand bereits im Halbfinale, Klein-Krotzenburg als zweiter Halbfinalist stimmte dem Entscheidungsspiel zu, ebenso wie nach kurzer Bedenkzeit die Sportfreunde. Die „Roten“ bekamen noch einmal die Chance auf das Halbfinale, nach einer abwechslungsreichen Partie siegte aber die Germania verdient mit 4:3 (3:1). Doch das Entscheidungsspiel hatte die Hainburger viel Kraft gekostet, sie verloren 24 Stunden später das Halbfinale gegen Titelverteidiger Mainflingen mit 0:2. Die TSG traf damit im Finale auf die Spvgg. Seligenstadt.

Das Endspiel setzte der Veranstaltung vor rund 400 Zuschauern die Krone auf. Nach einem 0:0 nach der regulären Spielzeit ging es in die zweimal zehnminütige Verlängerung, die die „Blauen“ nach zwei Ampelkarten und einer Roten Karte mit nur sieben Feldspielern beendeten. Zudem wehrte Seligenstadts Torwart Erik Theuerkauf in der ersten Hälfte der Verlängerung noch einen Strafstoß ab. Die „Blauen“ retteten sich in das Elfmeterschießen – und behielten mit 5:4 die Oberhand.

22 Jahre lang hatte die Sportvereinigung auf diesen Triumph, den dritten nach 1988 und 1996, warten müssten. Die favorisierten Mainflinger verpassten die historische Chance, nach den Sportfreunden und Klein-Welzheim als dritte Mannschaft den Mainpokal zu verteidigen.

Der Mainpokal 2018 in Froschhausen erhält in den Annalen dieses ruhmreichen Turniers auf jeden Fall einen Ehrenplatz. Und die Vorfreude auf das nächste Turnier ist schon jetzt riesengroß. Da der Türk. SV Seligenstadt seit einigen Jahren nicht mehr beim Mainpokal vertreten ist, richtet die TSG Mainflingen 2019 das Traditionsturnier aus. Einen echten Favoriten wird es aller Voraussicht nach auch dann nicht geben.

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