„Ich trete nicht als Oberlehrer auf“

Der ehemalige Wetzlarer und Melsunger Bundesliga-Spieler Christian Hildebrand (am Boden, hier gegen Jannik Steiner vom TSV Vellmar) spielt seit Rundenbeginn für den hessischen Oberligisten TSG Bürgel. Der Mühlheimer konzentriert sich verstärkt auf sein Jura-Studium, verließ daher nach fünf Jahren die MT Melsungen.

Offenbach – Handballer Christian Hildebrand (30) spielt seit Beginn der Saison 2016/2017 bei der TSG Bürgel, Aufsteiger in die Oberliga Hessen. Hildebrand, der am kommenden Freitag 31 Jahre alt wird, ist in Offenbach geboren, wohnt aber in Mühlheim und bezeichnet sich auch selbst als „waschechten Mühlheimer“.

Und in Mühlheim, genauer gesagt bei der SG Dietesheim/Mühlheim, erlernte er auch das Handballspielen, ehe es ihn in die weite Handball-Welt hinauszog. Beim TV Gelnhausen debütierte der Linkshänder in der 2. Bundesliga, später wechselte er zur HSG Wetzlar in die 1. Liga. Weitere Stationen waren die TuS N-Lübbecke, der KV Kirchzell und fünf Jahre lang die MT Melsungen in der 1. Bundesliga. 2016 nun folgte der Wechsel nach Bürgel.

Warum, dass ist einfach erklärt. Christian Hildebrand studiert in Frankfurt Jura. Und Studium, Familie und höherklassiger Handball waren nicht miteinander zu vereinbaren. Der 30-Jährige hat sich für die sichere, berufliche Karriere entschieden. „Ich habe mich gut eingelebt, es passt alles, auch wenn das aktuelle Ergebnis nicht so gut war“, sagt Hildebrand, der am vergangenen Spieltag mit der TSG mit dem 30:37 gegen den TSV Vellmar im sechsten Heimspiel dieser Saison die erste Niederlage vor eigenem Publikum kassierte. Zuvor hatten die Offenbacher alle fünf Heimspiele gewonnen. „Der Verein ist sehr gut geführt“, sagt Hildebrand, dessen Frau in der Kraftsport-Abteilung der TSG aktiv ist. „Über sie habe ich auch den Weg in den Kraftraum bei der TSG gefunden“, erklärt der Ex-Profi das Zustandekommen seines Engagements beim Oberligisten. „Der Gesamtverein wirft ein sehr positives Erscheinungsbild ab“, lobt er.

Über den bisherigen Saisonverlauf – die TSG nimmt mit 13:11 Punkten den sechsten Platz ein – sagt der Mühlheimer: „Das erste Ziel sollte als Aufsteiger der Klassenerhalt sein, egal wie stark man ist. Und dann kann man schauen, welche Möglichkeiten der Verein und die Mannschaft noch haben. 13:11 Punkte sind sehr passabel, als Aufsteiger können wir zufrieden sein. Es war allerdings mehr möglich.“ Von ihren 13 Punkten holten die Offenbacher zehn in heimischer Halle, auswärts feierte Bürgel im Aufsteigerduell bei der TuS Dotzheim einen 30:28-Sieg, bei Schlusslicht Kahl/Kleinostheim gab es beim 34:34 eine Punkteteilung. Ansonsten verloren die Offenbacher auswärts viermal. „Wir müssen noch eine Menge arbeiten, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen“, sagt Hildebrand.

Er selbst will mit einer Erfahrung seinen Teil dazu beitragen. Klar, als ehemaliger Bundesliga-Spieler kann er gerade den jungen Spielern eine Menge hilfreicher Tipps geben. „Ich trete aber bestimmt nicht als Oberlehrer auf, der den anderen das Handballspielen erklärt“, schmunzelt Hildebrand. Im Gegenteil, in dieser Beziehung gibt er sich sehr bescheiden: „Ich muss mich selbst erst einmal richtig zurecht finden.“ Andere Taktik, eine andere Verteidigungs-Auffassung – auf das Spiel der TSG musste sich auch der Ex-Profi erst einmal einstellen. Und geharzt wird in der Oberliga schließlich auch nicht. Auch daran musste sich der Ex-Profi erst einmal wieder gewöhnen, dass der Ball nicht mehr wie gewohnt an der Hand klebt. In Bürgel sind die Verantwortlichen jedenfalls überglücklich, einen derartigen „Fang“ gemacht zu haben, der in der vierten Liga mehr als ungewöhnlich ist.

Eine besondere Erfahrung machte Christian Hildebrand vor zwei Wochen, als er mit der TSG Bürgel bei seinem Ex-Verein MT Melsungen gastierte – bei der Bundesliga-Reservemannschaft. Da nutzte der 30-Jährige die Gelegenheit, ehemalige Kollegen zu treffen. „Das war ein schönes Wiedersehen. Natürlich bestehen zu einigen ehemaligen Mitspielern noch sehr gute Kontakte.“ Nicht so schön war – zumindest aus Offenbacher Sicht – das Ergebnis: Die abstiegsgefährdeten Melsunger gewannen mit 27:23.

Heute Abend (20 Uhr) bestreitet Bürgel beim ehemaligen Drittligisten HSG Kleenheim (aktuell Tabellendritter) sein letztes Punktspiel in diesem Jahr, 2017 geht es erst am dritten Januar-Wochenende in der Oberliga Hessen weiter. „In der Rückrunde ist ein ähnlich gutes Ergebnis wie in der Hinrunde möglich“, blickt Hildebrand voraus. „Wir können am Ende der Saison als Aufsteiger ein Ergebnis erreichen, das beachtlich ist.“ Auch dazu will der angehende Jurist seinen Teil beitragen.
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