Rehe springen in die Laufgruppe

Jörg Kaiser vom SC Steinberg startete in Frankfurt gemeinsam mit seiner Tochter Chiara, die in der Mainmetropole ihr Debüt auf der Halbmarathonstrecke feierte.

Frankfurt – Auch bei der 16. Auflage des Frankfurter Mainova Halbmarathons, gleichzeitig die Auftaktveranstaltung der Main-Cup-Lauf-Serie, meinte es das Wetter wieder gut mit den über 5000 Startern, von denen letztlich 4838 in die Einzelwertung kamen. Milde Frühlingstemperaturen sorgten bei den Startern für gute Laune. Und weil die vielen Wolken verhinderten, dass die Sonne zu heiß vom Himmel brannte, fühlten sich viele Läufer auf der Strecke auch sehr wohl. Vielen war es aber auch schon ein wenig zu warm.

Bei den Männern nutzte Tilahun Babsa erneut seinen Heimvorteil. Der Läufer im Trikot des Veranstalters Spiridon Frankfurt setzte sich in 1:07:38 Stunden vor Demeke Wosene (LG Rüsselsheim, 1:08,21) und Jannik Ernst (TV Waldstraße Wiesbaden, 1:09:37) durch. Damit war Babsa nur 31 Sekunden langsamer als bei seinem Sieg im vergangenen Jahr. Bis Kilometer hatte Demeke Wosen in Führung gelegen, war dann aber nach einer famose Aufholjagd von Babsa überholt worden.

Bei den Frauen überquerte Nora Kusterer von der SV Oberkollbach als Erste die Ziellinie. Die Siegerin des Rennsteiglaufs 2017 ließ in 1:19:42 Stunden die Konkurrenz hinter sich und gewann vor Katharina Grohmann (Team Rosbacher, 1:22:22) und Petra Wassiluk (Team Main-Lauf-Cup, 1:22:51). Einen Weltrekord für das Guiness-Buch stellte die gebürtige Heusenstammerin Kerstin Bertsch auf. Sie benötigte mit einem Doppelbabyjogger, in der sie ihre beiden Kinder über die Strecke chauffierte, nur 1:31:45 Stunden und unterbot damit ihre selbst gesetzte Marke von 1:40 Stunden deutlich. Ebenso wie den bisherigen Weltrekord einer amerikanischen Familie, die vor einem Jahr 1:39:23 Stunden unterwegs gewesen waren.

Auch aus der Region gingen wieder viele Starter in Frankfurt auf die Strecke. „Für mich lief es sehr gut. Ich bin ganz entspannt ohne Uhr am Handgelenk gestartet. Das Wetter war sehr gut, es hätte nicht wärmer sein dürfen“, sagte Karen Küsters aus Nieder-Roden. Die 44-jährige Flugbegleiterin lief schon als Jugendliche sehr gerne, etwa beim 24-Stunden-Lauf in Dudenhofen. „Ich habe in der Nähe des Sportplatzes gewohnt, da habe ich das immer mitbekommen. Das hat mich schon immer fasziniert, mit 16 bin ich das erste Mal mitgelaufen“, erinnert sie sich. 2007 nahm sie beim Altheimer Volkslauf erstmals die Halbmarathon-Distanz in Angriff, ein Jahr später folgte der erste Marathon-Start. Als Rodgauerin startete Karen Küsters mehr oder weniger vor der eigenen Haustür – in Frankfurt. Welcher Lauf als nächstes ansteht, steht noch nicht fest. „Man hat natürlich die Main-Lauf-Cup-Serie im Hinterkopf. Aber aus beruflichen Gründen muss ich auch oft an den Wochenenden arbeiten.“ Fünf Läufe müsste Karen Küsters zusammenbekommen, um in der Gesamtwertung berücksichtigt zu werden.

Richard Wolanin aus Offenbach vertrat zum „vierten oder fünften Mal“ die Farben des Rodgau Lauftreffs (RLT) in Frankfurt. „Es war schon ein Tick zu warm, bei Kilometer zehn habe ich angefangen zu schwitzen“, sagte er. „Es hat aber wieder viel Spaß gemacht, wie jedes Jahr.“ Nach dem Halbmarathon in der Mainmetropole stehen für den Offenbacher an diesem Wochenende schon ein paar Kilometer mehr auf dem Programm. Wolanin startet am Sonntag in Friedberg beim 42. Volkslauf „Rund um den Winterstein“ über die 30-Kilometer-Distanz. Einmalig bietet der Veranstalter ASC Marathon Friedberg in diesem Jahr auch erstmals einen Lauf über die Marathondistanz an. „Die Strecke führt durch reichlich Wald, ist schön und anstrengend“, erklärt Wolanin. 402 Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Der 30-Kilometer-Lauf gilt als „Herzstück“ der Veranstaltung.

Früher war Thomas Bleibdrey Trainer bei den Fußballern der SG Wiking, vor rund sechs Jahren suchte er dann einen sportlichen Ausgleich und fing langsam mit dem Laufen an. Sein erster Halbmarathon in Mainz brachte ihm einen großen Motivationsschub. Vom Kurs durch die Stadt sowie den vielen Zuschauern zeigte sich der Offenbacher begeistert. „Vor meinem 55. Geburtstag wollte ich immer einen Marathon laufen“, sagt er. Also meldete ihn seine Frau für den Berlin-Marathon am 16. September an. Warum Berlin? „Meine Frau wollte einmal etwas anderes sehen“, schmunzelt Thomas Bleibdrey.

Uwe Glaum (53) aus Dietzenbach war für den SC Steinberg unterwegs und sagte: „Es war anstrengend, für meinen Geschmack relativ warm, das hat an den Kräften gezerrt. Ansonsten ist der Halbmarathon aber ein tolles Event, mit einer tollen Strecke, gerade am Mainufer entlang“, erklärte der „Wiederholungstäter“, der bereits „mindestens zum fünften Mal“ in Frankfurt dabei war. Der 53-Jährige wusste auch von einem ungewöhnlichem Erlebnis zu berichten: „Bei Kilometer zwei sind zwei Rehe in die Laufgruppe gerannt, die sind wohl von den vielen Läufern aufgeschreckt worden.“ Eine Läuferin wurde von einem der Rehe glatt umgerannt. Sie sagte: „Ich trainiere normalerweise auf dem Feldberg im Taunus, da ist noch nie etwas passiert...“ Sprach‘s, rappelte sich auf und lief weiter. „Ich laufe seit fast 15 Jahren“, berichtet Uwe Glaum, „als Ausgleich zu meiner Bürotätigkeit.“ Glaum ist nicht nur Leiter des Lauftreffs beim SC Steinberg, sondern seit wenigen Tagen auch neuer Abteilungsleiter. Er trat die Nachfolge von Ingrid Keim an, die den Posten fast 20 Jahre lang inne hatte. „Da ist eine Ära zu Ende gegangen“, meint Glaum, der das Amt zunächst für ein Jahr übernommen hat. „Ich hoffe, es findet sich noch jemand anderes für diesen Posten“, sagt er. Ursprünglich kommt er eigentlich vom Radfahren, früher war er Mitglied im Schwimmverein. Daher ist es nicht verwunderlich, „dass mich ein Triathlon einmal reizen würde. Aktuell fehlt mir dafür aber die Zeit.“

Insgesamt war der SC Steinberg in Frankfurt mit 17 Teilnehmern vertreten. Darunter auch Jörg Kaiser mit seiner Tochter Chiara, die in Frankfurt ihr Halbmarathon-Debüt feierte. „Es war sehr anstrengend, aber sie ist sehr stolz“, sagt Jörg Kaiser über seine Tochter, „wir sind gemeinsam in das Ziel gesprintet.“ Für den Steinberger startete mit dem Lauf in Frankfurt die Saison. „Im April geht es dann Schlag auf Schlag, da steht an jedem Wochenende ein Wettkampf an“, sagt er.

Saverio Pagano aus Hausen fand die Bedingungen in der Mainmetropole „angenehm, gut, optimal. Besser konnte es nicht sein“, sagte er über seine Halbmarathon-Premiere in Frankfurt. Insgesamt war es sein zweiter Lauf über diese Distanz, den ersten absolvierte er vor fünf Jahren in Dietesheim. In frühere Jahren spielte Saverio Pagano (54) Fußball bei der SG Rosenhöhe, wollte aber auch nach seiner Fußballerkarriere Sport treiben. So kam er zum Laufen. „Die Bewegung an der frischen Luft, das Laufen durch den Wald“ nennt er die schönen Seiten seiner Sportart. Drei- bis viermal unter der Woche ist Saverio Pagano in seinen Laufschuhen unterwegs, er startet gerne bei den Volksläufen der Region, etwa bei der Winterlaufserie in Jügesheim. Am 6. Mai feiert er in Mainz beim Gutenberg-Lauf sein Marathondebüt. In Frankfurt war Pagano übrigens mit Frank Ciesielski unterwegs. Der wohnt nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern trainiert auch einmal die Woche gemeinsam mit Saverio Pagano.

„Optimal, ich war im T-Shirt unterwegs“, blickte Frank Ciesielski (54), der für Teutonia Hausen startet, auf den Lauf in Frankfurt zurück. „Es war nicht zu kalt und nicht zu warm, sondern ideal“, sagte er. Ciesielski ging zum zweiten Mal in Frankfurt auf die Strecke. „Das erste Mal war nicht so gut, da hatte ich einige Wadenprobleme“, erinnert er sich. Zum Laufen kam der ehemalige Teutonia-Fußballer über seine Familie: Seine Schwester Sigrid und sein Bruder Rolf (überquerte am vergangenen Sonntag in Frankfurt in sehr guten 1:18:57 Stunden als 40. die Ziellinie) laufen ebenfalls, ebenso seine Ehefrau Elke. Sechs- oder siebenmal war Frank Ciesielski bereits auf der doppelt so langen Marathon-Distanz unterwegs. Im Oktober diesen Jahres ist ein Halbmarathon auf Mallorca geplant – im Kreis der Familie.
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