Gedenkfeier für NS-Opfer in der Partnergemeinde

In Ceregnano, der italienischer Partnergemeinde von Seeheim-Jugenheim, gedachte Bürgermeister Olaf Kühn (r.) mit seinem Amtskollegen Ivan Dall´Ara (5.v. r.) , drei Schülerinnen vom Schuldorf Bergstraße sowie Zeitzeugen der einundzwanzig NS-Opfer. 


(pae-foto)
  • In Ceregnano, der italienischer Partnergemeinde von Seeheim-Jugenheim, gedachte Bürgermeister Olaf Kühn (r.) mit seinem Amtskollegen Ivan Dall´Ara (5.v. r.) , drei Schülerinnen vom Schuldorf Bergstraße sowie Zeitzeugen der einundzwanzig NS-Opfer.


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Tochter eines Opfers dankt Bürgermeister Kühn

SEEHEIM-JUGENHEIM/CEREGNANO. Mit Ansprachen in Seeheim-Jugenheims italienischer Partnergemeinde Ceregnano und deren Nachbargemeinde Villadose erinnerte Bürgermeister Olaf Kühn zum Nationalfeiertag „Tag der Befreiung“ am 25. April an die NS-Opfer einer Racheaktion deutscher Wehrmachtsangehöriger in den Gemeinden.
Sein Amtskollege Ivan Dall´ara und Ivo Zambello, Präsident des Verschwisterungsvereins, hatten ihn wie in den vergangenen Jahren eingeladen. Begleitet wurde er vom Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins und Dolmetscher Giulio Mollo, sowie Mitgliedern des Vereins, Jugendpfleger Matthias Itzel und Karsten Paetzold, Leiter des Büros für Städtepartnerschaften. Drei Schülerinnen des Schuldorfes Bergstraße waren auch mitgefahren und verlasen Kühns Rede auf Deutsch.
„Die Ermordeten waren Opfer der Freiheit, die Italien und Ceregnano vor 70 Jahren wieder erhielt. Dieser Ort hat für das deutsch-italienische Verhältnis historische Bedeutung. Für die Abwehr von Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeind-lichkeit und Antisemitismus in Europa ist die Städtepartner-schaft von großer Bedeutung und Wichtigkeit“, betonte Kühn. Er hielt zur Freude der Zuhörer seine Ansprachen in Italienisch.
In Ceregnano waren am 24. April 1945 einundzwanzig Bewohner im Alter von fünfzehn bis siebzig Jahren von deutschen Soldaten als Vergeltung für einen Partisanenüberfall erschossen worden. Zwei Männer hatten das Massaker überlebt. Auf dem Friedhof dankte die Tochter eines Opfers, die damals sechs Jahre alt war, mit großer Rührung dem Bürgermeister für seine Worte und betonte, dass sie jetzt für die Verständigung sei. Zuvor hatten die Besucher an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen.
Am Abend zuvor las Barbara Zeizinger, eine ehemalige Lehrerin des Schuldorfes und Initiatorin des Schüleraustausches mit Italien aus ihrem Roman „Der weiße Kanal“. Das Buch erzählt die Geschichte der Ermordeten. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung vom Gitarrenensemble der Partnergemeinde. Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen wurde ein Film uraufgeführt, der die damaligen Ereignisse mit Interviews von Bewohnern und Ortsbildern veranschaulichte.
Die „Gemellagio“ (Verschwisterung) war der weitere Anlass des Besuchs. Vereinbart wurden eine Jugendbegegnung im kommenden Jahr und Konzerte des Gitarrenensembles an der Bergstraße sowie Bürgerfahrten.

psj

Pressestelle der Gemeinde Seeheim-Jugenheim

Autor:

Karsten Paetzold aus Seeheim-Jugenheim

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