Wirtschaftsförderung - Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Kommentar zum Artikel

"Gewerbevereine werben mit Postkartenaktion
Marketing – Die Seeheim-Jugenheimer sollen ihr Kaufverhalten überdenken"

(Quelle: Online-Ausgabe des Darmstädter Echos vom 20. Juni 2012)

Der Gedanke ist gar nicht so schlecht. Und irgendwann, liebe Wirtschaftsförderung, muss man ja auch mal beginnen, die Dinge vernünftig anzupacken. Richtig?

Bitte daher kein pappiges Süßwarenkonfekt oder ähnliche Spielereien mehr, die nicht auf die Marke "Seeheim-Jugenheim" einzahlen und die kein Mensch braucht. Auch keine Studien mehr, die mutmaßlich viel Geld kosten, irgendwo abgeschrieben werden und Blumenkübel an den Ortseingängen als nachhaltige Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung der Gemeinde empfehlen.

Identifizieren Sie doch bitte endlich mal konkrete Bedarfe am Standort, denen heute noch nicht entsprochen wird, und gehen Sie auf die Suche nach möglichen Investoren. Stützen Sie das meinetwegen auf eine Umfrage in der Bevölkerung, und von mir aus auf aussagekräftige, belastbare Daten der von Ihnen engagierten Beratungsgesellschaft. Schaffen Sie ein konstruktives Umfeld, setzen Sie attraktive Rahmenbedingungen, entwickeln Sie kreative Maßnahmen und arbeiten Sie an deren Umsetzung. Politik kann hier einen vernünftigen Rahmen setzen. Allein den sehe ich in meiner Gemeinde nicht.

Grundsätzlich muss die hier beschworene Nachfrageausübung auf ein entsprechendes Angebot treffen. Das zu gestalten, obliegt den ortsansässigen oder neu zu findenden Gewerbetreibenden. Es muss attraktiv sein, und dem Verbraucher einen Mehrwert stiften. Paradebeispiele sind die Firma Oberndörfer und das Schuhhaus Lang. Alteingesessene Jugenheimer Firmen, die sehr erfolgreich das anbieten, was jeder braucht. Ortsnah, kompetent, persönlich. Davon bräuchte es mehr - für die konkret zu identifizierenden und sicher vielfältigen Bedarfe.

Keine weiteren Lebensmittelketten mehr, die sich (und andere am Ort - sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich) kannibalisieren, und die seit Eröffnung kaum rentabel arbeiten dürften. Verdrängung und in Konsequenz Leerstände sind nach meiner Auffassung in einigen Jahren kein sehr unwahrscheinliches Szenario. Denn, wozu brauchen wir in Seeheim - auf knappster, wertvoller Gewerbefläche allein in einer Straße - drei Discounter und drei Vollsortimenter? Dazu eine Textilbude, die in Bangladesh fertigen lässt, die im Test („Stiftung Warentest“ etc.) häufiger verheerend abschneidet, wenig vertrauensfördernd kommuniziert und nicht gerade als Sinnbild für soziales und nachhaltiges Handeln ("Corporate Social Responsibility") gilt .

Chancen erkennen. Zukunft gestalten.
Wahrscheinlich ein Claim, den es schon irgendwo gibt.

Fangen Sie bitte endlich damit an.

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