Gemeinde bekämpft Ratten

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SEEHEIM-JUGENHEIM. „Hunderte Ratten kriechen durch die Straßen und machen sich über zurückgelassenen Unrat her, verschwinden in irgendwelchen Häusern oder der Kanalisation". Eine Szene, die sich im Mittelalter in allen Städten und Dörfern zugetragen hat. Ganze Bücher füllen die Berichte und Geschichten über Rattenplagen. Schon damals gab es professionelle Rattenfänger, die die Tiere anlockten, einfingen und töteten. Das bekannteste Beispiel ist der Rattenfänger von Hameln. Bereits zu der Zeit wusste man, dass Ratten Epidemien verbreiten.
Auch heute noch gibt es in Dörfern und Städten Ratten – auch in
Seeheim-Jugenheim. Doch ihre Zahl ist im Vergleich zum Mittelalter, als Hygiene wenig bekannt war, geringer geworden. Geändert haben sich auch die Methoden der Rattenbekämpfung. Gegen die Tiere muss allein aus Gründen der Gefahrenabwehr und zum Schutz der Menschen vorgegangen werden. Ratten können Krankheitserreger übertragen, gehen an Lebensmittel und schädigen Material wie Stromkabel.
Wo Menschen sind, sind auch Ratten – das ist seit einigen tausend Jahren bekannt. Ratten suchen als sogenannte "Kulturfolger" die Nähe menschlicher Wohnungen und Häuser. Sie sind Allesfresser und enorm anpassungsfähig. Angelockt von
Nahrungsmittelresten und Vorräten halten sie sich in Kellern, Schuppen und vor allem aber in der Kanalisation auf. Schätzungen gehen von mindestens einer Ratte pro Einwohner aus.
"Rattus norvegicus", die Wanderratte, ist die am häufigsten in der Bundesrepublik anzutreffende Art. Als gute Schwimmerin und Taucherin liebt sie die Abwasserkanäle. Diese bieten Unterschlupf und Nahrung, beispielsweise durch Essensreste, die über das Abwasser in die Kanäle gelangen. Deshalb ist die Rat-tenbekämpfung für die Gemeindewerke, die das Kanalnetz betreuen, eine wichtige Aufgabe.
Zur Rattenbekämpfung ist seit Montag (30.März 2015) ein staatlich geprüfter Schädlingsbekämpfungsmeister unterwegs. Die Aktion dauert rund acht Wochen und wird in der gesamten Gemeinde durchgeführt.
Ratten beherrschen die Kunst des Überlebens so perfekt wie kein anderes Tier. Diese Schädlinge sind vorsichtig, intelligent und überaus anpassungsfähig. Eine Ratte wird etwa drei Jahre alt. Das Vermehrungsvermögen der Wanderratten ist enorm. Ein einziges Rattenpaar kann bis zu 1000 Nachkommen haben. Unter geschützten Bedingungen findet die Vermehrung ganzjährig statt. Nach drei Monaten ist sie geschlechtsreif und nach weiteren drei Wochen sind die ersten Jungen da. Etwa sechsmal im Jahr kann eine Ratte Nachwuchs zur Welt bringen.
Bei der Bekämpfung hat sich das Köderverfahren am besten bewährt. Das Ködermaterial besteht aus pflanzlicher Kost, dem für Ratten ein giftiger Wirkstoff beigemengt ist. Das genau dosierte Gift wirkt allerdings nicht sofort, sondern meist erst nach Stunden oder einem Tag. Würde das Gift die Ratte an Ort und Stelle töten, würden die anderen Ratten des Rudels "Verdacht schöpfen" und den Köder meiden. Auch die Art des Gif-tes muss häufiger gewechselt werden, weil die Ratten resistent werden können. In der Regel sind die Ratten so schlau, dass sie zuerst "spähen" oder "Vorkoster" schicken, um den "Braten" zu testen.
Rattenbekämpfung in der Kanalisation ist keine angenehme Aufgabe und kann auch gefährlich sein. So müssen die Mitarbeiter mit mangelndem Sauerstoff, Gasen und chemischen Substanzen rechnen. Auch können Mikroorganismen zu gefährlichen Infektionen führen.
Um keine Ratten in die Kanäle zu ziehen und um den Erfolg der Aktion zu garantieren, bitten die Gemeindewerke darum, keine Küchenabfälle und Speisereste durch die Toilette in die Kanalisation zu leiten. Anziehend wirken auch Katzenfutter vor der Haustür oder der Terrasse sowie die Fütterung von Tauben.
Zu einem Festmahl für Tiere können auch Nahrungsmittelreste in den gelben Säcken sein, wenn diese außerhalb des Hauses gelagert werden. Die Ratten knabbern die Säcke an und gelangen so an das Futter. Auch locken falsch angelegte Komposthaufen die Nager in die Gärten. Überquellende Abfalleimer lo-cken die Allesfresser ebenfalls an. Hauseigentümer sollten auch dafür sorgen, dass die Ratten nicht ins Haus gelangen können – beispielsweise durch offene Kellerfenster oder defekte Rohrleitungen.

psj

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