Ausweisung einer Roma-Familie

Obwohl den Verantwortlichen die prekäre Lage der Roma auf dem Balkan bekannt ist, werden deren Gründe, sich um Asyl zu bemühen, völlig ignoriert. Der Kosovo, Albanien usw. seien sichere Herkunftsländer, heißt es, und damit wird der Asylantrag als unbegründet abgetan. Nun soll wieder eine Familie ihre Koffer packen, nachdem sie fast ein Jahr in Seligenstadt große Integrationsbemühungen unternommen hat.

Das Unfassbare: Die Familie hat drei Kinder, darunter einen nicht einmal mal 2 Monate alten Säugling, mit dem sie demnächst evtl. zumindest vorübergehend auf der Straße landen wird. Es gibt zwar Verwandte in Tirana, doch diese Familienmitglieder leben alle schon selbst auf engstem Raum in zum Teil menschenunwürdigen Verhältnissen, und das zu hohen Mietpreisen – ohne Mietvertrag, denn die Besitzer nutzen die schutzlose Situation der meist ungebildeten Roma aus.

Was wird aus unseren Freunden dort werden?

Wird der Vater, der hier überall mit angepackt hat – ob in der Fahrradwerkstatt, dem Fundus, bei Festen –, der bei Renovierungen und Gartenarbeiten bei Freunden stets verlässlich geholfen hat, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten, etwas arbeiten dürfen?

Wird das Schulkind, das hier lesen und schreiben gelernt hat, weiterhin eine Schule besuchen oder erneut die Erfahrung machen müssen, dass es unerwünscht ist und nach einigen Wochen entmutigt aufgeben?

Wird das Kindergartenkind in den Kindergarten gehen? Wohl nur, wenn dieser bezahlt werden kann und das sind 32,50 € im Monat. Dabei fängt Bildung und damit auch Integration in die Gesellschaft im Kindergartenalter an.

Die Erfahrung, die sogar vom Europarat beleuchtet wird, zeigt: „In den meisten Regionen Europas haben die Roma-Kinder keinen Zugang zu einer qualitativ gleichwertigen Bildung wie andere Kinder. Die Zahl der Fehlzeiten und Schulabbrüche ist inakzeptabel hoch und steigt weiter. Die Armut und die Traditionen einiger Gemeinschaften schaffen noch zusätzliche Hindernisse für die Ausbildung der Roma. Diskriminierung und Vorurteile sind der Grund für diese tief verwurzelte Ungleichheit beim Zugang zur Bildung. Einige Roma-Kinder können die Schule ganz einfach nicht erreichen, da sie zu weit entfernt wohnen. Andere Kinder werden in isolierten Schulen untergebracht, weit weg von der Gesellschaft oder in Klassen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen allein aufgrund von ethnischen Kriterien, ohne vorangehende psychologische oder pädagogische Beurteilung. Durch den getrennten Unterricht werden die Roma-Kinder bereits sehr früh aus der Gesellschaft ausgegrenzt und Kontakte zwischen Roma- und Nicht-Roma-Kindern verhindert.“ http://www.strassburg-europarat.diplo.de...

Aus diesem Grund sind auch die Eltern kaum in der Lage, sich und ihre Familie vor Ort zu integrieren, Arbeit zu finden und einen geregelten Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Ein Teufelskreis, der vermutlich leider auch die 3 Kinder einbeziehen wird …

Und der Säugling? Noch hat er nicht einmal einen Impfschutz … Abgesehen davon wird den Kleinen in Albanien kein Arzt ohne entsprechende Gegenleistung behandeln. Daher ist die Gefahr im ersten Lebensjahr zu versterben, für den kleinen Roma-Jungen signifikant höher als bei anderen Albanern: „Laut UNICEF haben Roma-Kinder eine um ein Drittel geringere Chance, das erste Lebensjahr zu überstehen als andere Kinder. Immer wieder werden Roma Opfer rassistischer Gewalt.“ https://www.proasyl.de....

Wir können der Familie leider trotz aller Argumente nicht zum Bleiberecht verhelfen. Wir können aber deutlich machen, dass wir dies ungerecht finden und mit einer Unterschrift bekunden, dass wir die Ausweisung der Familie als inhuman ablehnen: Zur Petition

Außerdem unterstützen wir die Initiative, die am diesjährigen Roma-Day entstand und in der sich Organisationen und Politiker für mehr Rechte für Sinti und Roma einsetzen und laden Sie ein, dies auch zu tun:
Petition zum Roma-Day

Und wir können versuchen, Hilfe vor Ort organisieren: Ein KiTa-Platz ist schon gefunden, nur muss er auch finanziert werden. Mit einem kleinen Startkapital könnte die Familie zumindest im nächsten Winter über die Runden kommen. Dann kann man nur hoffen, dass über die Integration in Schule und Kindergarten Kontakte entstehen, die der Familie dabei helfen, dem oben beschriebenen Teufelskreis zu entkommen …
Daher bitten wir um Ihre Spende:

Spendenkonto: Kath. Pfarrgemeinde St. Marien – Flüchtlingshilfe
Institut: Sparkasse Langen-Seligenstadt
IBAN: DE14 5065 2124 0001 1362 25
Verwendungszweck: Roma
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