Wehmut in der Vorweihnachtszeit

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In Dieburg geht die jahrhunderte- alte Ära der Kapuziner zu Ende

Das Kloster und die Kapuziner gehören faßt so lange zu Dieburg wie die Fastnacht und sind eigentlich gar nicht aus der Stadt wegzudenken. Auf das Jahr 1650 geht die Gründung der ersten Niederlassung der Kapuziner in Dieburg zurück. Jetzt wird der Konvent im Minnefeld aufgelöst. Die Wege der vier Brüder trennen sich.

Seit 362 Jahren sind die Kapuziner Teil der Dieburger Identität, die Bürger eng mit dem Kloster verbunden. Der Odenwaldclub und die Kolpingfamilie haben sich um den Klostergarten gekümmert. Doch wie geht es mit den Männern weiter? Jeder von ihnen wird an einem anderen Ort eingesetzt. Pater Berthold wird Wallfahrtsseelsorger in Altötting. Pater Eckehard geht am weitesten weg. Der 76-Jährige zieht nach Salzburg und wird im Noviziat eingesetzt. Bruder Friedhelm wird seine langjährige Aufgabe als Pförtner und Zuständiger für die Sakristei beibehalten und nun im Wallfahrtsort Zell im Schwarzwald ausüben. Für Pater Joachim erfüllt sich ein Lebenstraum: Er wird als Einsiedler in eine Klause bei Paderborn ziehen.

Ein kurzer Abriss der vielfältigen Geschichte des Klosters:

1650 schenkte der Kurfürst Philipp von Mainz das von den Konvenualen aufgegebene Kloster in Dieburg den Kapuzinern. 1692 errichteten die Kapuziner mit Zustimmung und Förderung des Kurfürsten ein neues Kloster bei der Wallfahrtskirche in der Vorstadt, weil das alte Kloster unbewohnbar geworden war. 1801 beschloß Napoleon im Frieden von Luneville die Aufhebung der meisten Klöster. Auch das Kapuzinerkloster in Dieburg fiel der Säkularisation der Kirchengüter zum Opfer. 1822 mußten die letzten Brüder das Kloster verlassen: es wurde in ein Gefängnis umgewandelt. 1860 rief der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler die Kapuziner nach Dieburg zurück. Sie wohnten zunächst bei Privatleuten. Inzwischen bauten sie im Minnefeld ein neues Kloster. 1868 wurde die neue Klosterkirche von Bischof Ketteier zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu geweiht. 1909 wurde das Kloster durch einen Flügel erweitert. Dieser neue Teil diente von 1939-1945 Flüchtlingen als Wohnung, und später den litauischen Priester zur Litauerseelsorge in Südhessen. 1962/63 wurde die Kirche im Geiste der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils renoviert. Ab 2006 wurde das Kapuzinerkloster zum Zentrum für Berufungspastoral der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz bestimmt.

Und auch für mich geht damit eine Ära zu Ende. Denn mein Elternhaus steht in unmittelbarer Nähe des Klosters. Und die Kapuziner waren immer ein Teil meines Lebens. Deshalb gilt mein, und unser aller Dank, den im Laufe der Zeit in Dieburg tätigen Brüdern. Wir wünschen ihnen alles erdenklich Gute und Gottes Segen auf ihrem weiteren Lebensweg. Für das Kloster, die Kirche und den wunderschönen Garten hoffen wir auf eine sinnvolle und nachhaltige Weiterverwendung, als Ort der Stille, der Kontemplation, des gemeinsamen sozialen, kulturellen und geistigen Miteinanders.

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