Alles zum Thema Rezension

Beiträge zum Thema Rezension

Kultur

Eine Göttliche, depressiv – Filmbesprechung „3 Tage in Quiberon“, D/A/F 2018

„Ich bin eine unglückliche Frau von zweiundvierzig Jahren und heiße Romy Schneider.“ Dieser Satz fasst Emily Atefs Film über die berühmte Schauspielerin zusammen, die ein Jahr vor ihrem Tod einen Stern-Reporter zum ausführlichen Interview in ihrer bretonischen Entgiftungsklinik empfängt. Um sich zu entblättern, um sich zu inszenieren, um sich und ihre Mitmenschen auf eine gemeinsame Achterbahnfahrt zu nehmen. Alles in Schwarz-Weiß. Stell dir vor: Romy auf dem Balkon, gehüllt in eine Decke,...

Kultur

Alle Macht den Tonspuren: Ton Steine Scherben in dub

Manche Dinge brauchen einfach Weile, denn der Plan, die Scherben durch die Echokammern zu jagen, reifte schon 20 Jahre. Nun, da allen Widrigkeiten, wie z. B. fehlenden Mehrspuraufnahmen, getrotzt werden konnte, liegt das Ergebnis vor: 13 dubbige Bearbeitungen von Scherbensongs wie „Lass uns ein Wunder sein“, „Ardistan“ und –natürlich– „Keine Macht für Niemand“. Das Ergebnis klingt zumindest hochinteressant, auch wenn es für Puristen deutschen Liedrockguts ein bisschen sperriger im Ohr...

Kultur

Filmbesprechung „Mord im Orient-Express“, USA/UK 2017

Die 30er Jahre. Glitter, Glamour, Mord und Totschlag: Der legendäre belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot kehrt seit langer Zeit auf die große Leinwand zurück. Regisseur Kenneth Branagh, der zugleich den Poirot spielt, präsentiert eine sehenswerte neue Verfilmung des gleichnamigen Kriminalromans von Agatha Christie. Poirot reist 1934 mitten im Winter im Luxuszug namens Orient-Express von Istanbul nach London. Zu den weiteren Fahrgästen zählen ein zwielichtiger Kunsthändler nebst...

Kultur

Über die Grenze: Betrachtung eines soziologischen Vortrags

Darf ich einen wissenschaftlichen Vortrag als ein theatrales Ereignis ansehen und demzufolge als ein solches rezensieren? Ich wage zu behaupten: ja. Eben noch am Schreibtisch die eigene Power-Point-Präsentation ordnend, sieht sich die Görlitzer Soziologin Dr. Julia Gabler plötzlich in der Pflicht, ihre Erkenntnisse als Rednerin zu offenbaren. Wir sind insgesamt zwölf Teilnehmer (plus diejenige eine Referentin), die sich in der Novalisstraße 13 in der kleinen Mittelstadt Weißenfels an der Saale...

Kultur
v.l.n.r.: Timothy Spall, Cillian Murphy, Emily Mortimer, Patricia Clarkson

Filmbesprechung „The Party“, UK 2017

„Wie konnte es so weit kommen?“, fragt die männliche Hauptfigur ziemlich am Ende dieser Gesellschaftssatire, stellvertretend für Autorin und Regisseurin Sally Potter. Hier entblättert sich das brachliegende Nervenbündel des Menschen im 21. Jahrhundert, der ganz genau weiß, dass er alles falsch macht, aber hilflos seinem eigenen Treiben zusieht. Potter stellt einen Film vor, der vielleicht nichts Neues, aber dafür einiges anders macht und als Spiegelbild unserer Zeit funktioniert. Familiäre...

Kultur

Theaterkritik "NARRatio", Szenisches Projekt der Theaterwissenschaft Uni Mainz 2017

Studierende der Theaterwissenschaft haben die Figur des Narren zum Forschungsobjekt erklärt. In ihrem szenischen Spaziergang NARRatio laden sie zu einer Reise auf dem Narrenschiff durch die Mainzer Innenstadt ein und begegnen vielen Harlekinen in freier Wildbahn. Nehmt euch in Acht vor den Witzbolden Zu den Spaßmachern, Narren, Harlekinen, oder wie sie sonst noch genannt werden, sollen die Teilnehmenden gebührende Distanz halten, um nicht in Versuchung zu geraten und sich gar selbst zum...

Kultur
Henner Momann

Theaterkritik "Spinnerling" (R: Sara Ostertag)

Wenn ein siebenjähriger Junge die Flügel eines Schmetterlings an eine Spinne klebt, um diese Kombination seiner Liebsten zu schenken, ist das rührend - und seltsam. "Spinnerling" nennt er diese Kreuzung, "Spinnerling" wird er von seinem älteren Bruder genannt, der ihn tyrannisiert, während die Mutter der beiden geistesabwesend den normalen Alltag am Laufen hält. Bei dieser kleinen Familie liegt etwas im Argen, das wird schnell klar. Der "Spinnerling" Hidde (Henner Momann), sein älterer...

Kultur

Filmbesprechung „La La Land“, USA 2016

In Hollywood gibt es noch Filmmusicals? Lebt dieses Genre nicht eigentlich nur noch in der Erinnerung? Schon vor langer Zeit hat die goldene Traumfabrik sich selbst archiviert. Fast parallel dazu erlebte auch der Broadway einen Umbruch, als junge Autoren begannen, seine Intentionen spielerisch zu hinterfragen. Aber Hollywood ist immer zurückgeschreckt vor diesem neuen Repertoire. Es interessiert sich nicht für den intellektuellen Sondheim („Sweeney Todd“ 2007) oder das zynische Duo Kander und...

Kultur
Mimi und Rodolfo

Besprechung „La Bohème“ am 19. Oktober 2016 im Staatstheater Mainz

Liebe und Leidenschaft: Was passt besser zu einer Oper? Mit Giacomo Puccinis „La Bohème“ hat Intendant Markus Müller eine der weltweit bekanntesten und beliebtesten Werke dieser Gattung auf den Mainzer Spielplan gesetzt. Eine sehr publikumsfreundliche Entscheidung, denn der Inhalt ist schnell erzählt und die Handlung wird durch eingängige Kompositionen getragen. Es geht um die beiden jungen Künstler Rodolfo und Marcello, einen Dichter und einen Maler, die sich ungefähr im Jahr 1830 eine...

Kultur
Anika Baumann, Sebastian Brandes

Besprechung der Inszenierung von „Die Ratten“ am 14. Mai 2016 im Staatstheater Mainz

Um ein Kind zu behalten, das gar nicht ihr gehört, bringt eine Frau dessen Mutter um. Dabei ist ihre Seele doch schon zerrissen genug. In der Wiederaufnahme von Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ verzweifelt sie nun am Mainzer Staatstheater immer mehr am Überlebenskampf in einer harten, manchmal zynischen Welt. Am 29. Mai wird der letzte Vorhang fallen, leider. Die Bühne: ein Gerüst, auf dem sich keiner der Schauspieler aufrecht zeigen kann, gezwungen zu bücken, zu krabbeln, zu klettern. Nicht...

Kultur
Eva-Maria Felka bedroht Andreas Schlicht.

Besprechung der Inszenierung von „Woyzeck“ am 6. Mai 2016 von der Jungen Bühne Mainz

Noch einmal am 9. Juni wird eine Inszenierung von Georg Büchners „Woyzeck“ im Mainzer Haus der Jugend zu sehen sein. Das Ensemble der Jungen Bühne Mainz hat eine fesselnde Version des bekannten Dramenfragmentes vorgestellt: ehrgeizig, innovativ, schlicht. Schlicht ist auch der Name des Hauptdarstellers: Andreas Schlicht, Vorzeigebild eines ambitionierten Jungschauspielers, der die Bühne physisch und stimmlich auszufüllen mag. Die Rolle des armen Franz Woyzeck, der gelegenheitshalber einen...

Kultur
v.l.n.r.: Klaus Köhler, Matthias Lamp, Vincent Doddema, Anika Baumann, Clemens Dönicke.

Besprechung der Inszenierung von „Pension Schöller“ am 4. März 2016 im Staatstheater Mainz

Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht. Denn wenn es alles so einfach sein würde, wäre es doch nur der halbe Spaß. Dieser Spaß fußt auf den ganz normalen Verrücktheiten mehrerer Figuren, die in eine seltsame Verstrickung geraten. Das Mainzer Staatstheater hat den Klassiker „Pension Schöller“ in den Spielplan aufgenommen und einen Beitrag zum reinen Amüsement geleistet, das weder zum Mitdenken auffordert noch unter die Gürtellinie geht. Es ist der harmlose, alte Humor, der auf...

Kultur
Anna Steffens als Cleopatra.

Besprechung der Inszenierung von „Antonius und Cleopatra“ am 12. Dezember 2015 im Staatstheater Mainz

How to become a diva? How to become a politician? Diese zwei Fragen dominieren Claudia Bauers Inszenierung von „Antonius und Cleopatra“ im Staatstheater Mainz. Es wurde wieder in den Spielplan aufgenommen und läuft bis Februar. Für den Theatergänger ein Muss. Warum? Weil Bauer die dramatische Wucht von Shakespeares Sprachkunst in eine neue Dimension hebt, die von sehr körperbetontem Spiel lebt und die technischen Möglichkeiten des zeitgenössischen Theaters gut ausschöpft. Das Ganze wirkt von...

Kultur
Hört mich singen! Georg Lickleder steht als Bass einfach über den Dingen.

Besprechung der Inszenierung von „The Fairy Queen“ am 15. November 2015 im Staatstheater Mainz

Wann bietet sich einem Theater die Möglichkeit, alle Register seines Könnens zu ziehen? Wenn es Henry Purcells „The Fairy Queen“ von 1692 auf die Bühne bringt. Eine Semi-Oper in fünf Akten, die leichtfüßig und verwegen uns ins antike Griechenland entführt, um eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufleben zu lassen. Sänger, Tänzer und Schauspieler des Staatstheaters ziehen an diesem Abend gemeinsam an einem Strang und bezaubern uns mit dieser Vorstellung. Die Geschichte ist...

Kultur
Klaus Köhler als Apple-Fan am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Besprechung der Inszenierung von „Die Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ am 14. November 2015 im Staatstheater Mainz

Wir wollen alle eins haben: ein Spielzeug, das uns bemuttert, das uns befriedigt, das uns abhängig macht. Wir parken unser Gedächtnis im Handy, wir merken uns keine Telefonnummern, Termine oder Namen mehr. Wenn wir etwas wissen wollen, rufen wir Google auf, wir brauchen keinen Duden, kein Lexikon, keinen Opa mehr. Wir checken unsere E-Mails, ohne dass wir extra den schweren Rechner hochfahren müssen, der drei quälend lange Minuten zum vollständigen, reibungslosen Systemaufbau braucht. Dieses...

Kultur
Anmutig: Monica Belluccis kurzer Auftritt.

Filmbesprechung „Spectre“, UK 2015

Nach „Skyfall“ ist es eine Herausforderung. Für den Regisseur, für das Publikum. Dieser Film von 2012 ist von vielen Kritikern als bester Bond bezeichnet worden; sie verdienen meine Zustimmung. 50 Jahre „James Bond“ – wäre es nicht besser gewesen, einen Schlussstrich zu ziehen? „Skyfall“ als Abschluss einer Filmikone? Möglich. Sam Mendes hat dennoch die Fortführung gewagt. Daniel Craig hat Bond in einen Menschen verwandelt, der sich von den Darstellungen der Vorgänger grundlegend...

Kultur
Ein ernstes Wort zwischen Abe und Jill.

Filmbesprechung „Irrational Man“, USA 2015

Mord ist widernatürlich. Kann ich damit so weiterleben, wie es Philosophieprofessor Abe Lucas tut? Zerreißt es nicht die Seele? Offenbar müssen wir bei diesem Kerl das Gegenteil annehmen. Seine Seele ist zerrissen, mithilfe einer Mordtat will er sie wieder zusammenflicken. Er ist nicht nur „irrational“, er ist „irre“. Die überzeugenden Darsteller können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Film unausgewogen ist: Zu wenig Gags für eine Komödie, zu wenig Tragik für ein Melodram, allenfalls...

Kultur
Gibt es ein Entrinnen?

Besprechung der Inszenierung von „Der Prozess“ am 31. Oktober 2015 im Staatstheater Mainz

„Ein bisschen viel Gedöns, aber es war gut.“ So lautet das Urteil meines Hintermannes über den soeben inszenierten „Prozess“ nach Motiven von Franz Kafka. Trifft es zu? Zweifelsohne ist es oberflächlich; die Darbietung lässt sich nicht in diesem einen Satz zusammenfassen. Unfassbar ist schließlich schon das Thema: eine Verhaftung, ein Prozess, grundlos, perfide, atemberaubend, schwarz. Wie durch ekelriechenden Sirup muss sich Josef K. winden, versucht ein unlösbares Puzzle zusammenzusetzen und...

Kultur
Die Fee vom See versteht sich selbst als Star dieser Show.

Besprechung der Inszenierung von „Monty Python’s Spamalot“ am 28. Oktober 2015 im Staatstheater Mainz

Zurecht hat Hellmuth Karasek das Musical als „Oper auf dem Strich“ bezeichnet. Aus der Verbindung von populärer Unterhaltungsmusik und theatraler Inszenierung kann rasch eine gewisse Banalität erwachsen, die mit einer unfreiwilligen Komik einhergeht. Das englischsprachige Musiktheater, insbesondere das amerikanische, hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einige große Bühnenmusicals hervorgebracht, darunter „West Side Story“. Vieles, was seitdem gefolgt ist, ist mittelmäßig. Zu den...

Ratgeber

Wie schreibe ich eine Rezension?

In der heutigen Zeit gibt es eine Vielzahl von Rezensionen, die mittlerweile auch vor Gebrauchsgegenständen keinen Halt mehr machen. Während es noch vor einigen Jahren in der Regel nur um die Buchrezension ging, werden heute auch zu Themen wie - Gebrauchsgegenständen - Computer Spielen - Software - Filme und vieles andere Rezensionen geschrieben. Literaturrezension Die Buchrezension, Buchbesprechung oder Buchkritik, auch Literaturrezension im Feuilleton genannt, gehört noch...