Kleinstwagen vor großer Kulisse - Jahrestreffen des Isetta Clubs im Braunshardter Schlosspark

Die Isettas formieren sich im Braunshardter Schlosspark für eine Luftbildaufnahme
34Bilder
  • Die Isettas formieren sich im Braunshardter Schlosspark für eine Luftbildaufnahme
  • hochgeladen von Kathrin Keil

Man sah und hörte sie schon tagelang durch Weiterstadts Straßen tuckern. Anlässlich des diesjährigen Jahrestreffens des Isetta Clubs am vergangenen Wochenende zog es die BMW Isettas, auch Knutschkugeln genannt, ihren großen Bruder, den BMW 600 und auch vereinzelte BMW 700er in den Braunshardter Schlosspark. Freitags wurde das Treffen durch den Veranstalter Florian Fritsch eröffnet, der selbst mehr als ein halbes Dutzend fahrbereite und etwa doppelt so viele stillgelegte Knutschkugeln sein Eigen nennt. Die Teilnehmer erhielten in Gräfenhausen die Möglichkeit, mittels Blitzanlage die persönliche Höchstgeschwindigkeit ihrer Vehikel zu ermitteln, natürlich ohne Knöllchengefahr. Der Tag klang am Abend mit einem bunten Comedyprogramm mit Woody Feldmann im Festzelt aus. Samstags starteten die Teilnehmer am Vormittag zu einer mehrstündigen Ausfahrt über die Dörfer, die gegen Mittag ihr Ziel im Braunshardter Schlosspark fand. Etwa 160 der farbenfrohen Klein(st)wagen erweckten dann am Nachmittag auf der Parkwiese, auf der sie sich für eine Luftaufnahme aufstellten, den Eindruck eines bunten Bällebads im Kinderzimmer. Viele Zuschauer staunten nicht schlecht, wenn sich die gesamte Frontpartie der 12 bzw. 13 PS starken zweisitzigen Winzlinge (Isetta 250 und 300) einschließlich Lenksäule nach vorne klappte, um die Fahrgäste auszuspucken. Im Gegensatz dazu verfügte der BMW 600 schon über vier Sitze und einer zusätzlichen Seitentür hinten rechts, sowie satten 19,5 PS. Weniger außerirdisch mutete der BMW 700 an, sieht er doch aus wie ein kleines, ganz normales Auto, das es als Cabrio, Limousine oder Coupé zu bewundern gab. Etwas abseits des bunten Treibens hatten sich einige Oldtimer anderer Fabrikate aufgereiht, darunter auch Vertreter weiterer Kleinstwagenanbieter wie Zündapp mit dem Janus, eine Heinkelkabine und ein Messerschmitt Kabinenroller. Dinosauriermäßig ob ihrer Größe muteten daneben die Modelle von Mercedes, Adler, Buick, Ford Mustang oder Borgward an, nicht zu vergessen der BMW V8, der die Besucher gleich am Parkeingang begrüßte. Nach einem Frühschoppen am Sonntagmorgen löste sich die Isettagemeinde langsam auf. Zurück blieb ein leerer grüner, irgendwie farbloser Rasen und die Vorfreude der Teilnehmer auf ein Treffen im nächsten Jahr.

Ursprünglich entwarf die Firma Iso aus Italien die Isetta bereits 1953. Ende 1954 erwarb BMW die Nachbaulizenz samt Maschinenpark für das kleine Fahrzeug. BMW ersetzte den lauten Zweitaktmotor durch den etwas dunkler blubbernden Viertakt-Einzylindermotor aus dem Motorrad BMW R 25 und ging, neben einigen kleinen Veränderungen, mit der Isetta in Serie. Gebaut wurde die BMW Isetta Motocoupé 250, wie sie vollständig heißt, von 1955 - 1962. Ein Jahr später lief das erste Modell der Isetta 300 vom Band. Im Oktober 1956 bekamen die kleine Flitzer ein leicht verändertes Aussehen. Aus dem einem Panoramafenster ähnelnden Glaskuppeldach wurde ein normaler Dachaufbau mit Heckscheibe und Stofffaltdach. Dadurch verlängerte sich die Seitenfensterfront und ein kleines Schiebefenster konnte eingebaut werden. Die langen Scheinwerfergehäuse wurden durch kürzere, freistehende ersetzt. Neben den hinreichend bekannten Modellen gab es die Isetta auch als Pickup oder Landaulet, bei letzterem ließ sich die hintere Dachpartie nach unten klappen. Für den Export ins benachbarte Ausland, wie England, Österreich und der Schweiz, gab es eine dreirädrige Variante der Isetta 300. Dort wurden Dreiräder günstiger besteuert. Das US-Exportmodell erhielt vorne große, gebogen Chromstoßfänger. Insgesamt liefen in München 136 367 Isettas vom Band, weltweit 161 360, da die BMW Isetta auch in England, Spanien und Brasilien nachgebaut wurde und die Firma Velam aus Frankreich die Original-Isetta ebenfalls in Lizenz baute.
Der große Bruder, der BMW 600, wurde seinerseits von 1957 - 1959 insgesamt 34 318 mal gebaut. Im Prinzip die Form haltend, war der BMW 600 länger, hatte 4 Sitze und verfügte auf der rechten Seite über eine zusätzliche Tür. Der stärkere Zweizylinder-Boxermotor mit 19,5 PS wurde abgeleitet aus den großen BMW Motorrädern.
Der eigentliche serienmäßige Durchbruch in der Produktion gelang BMW dann allerdings erst mit dem BMW 700. Damit entstand ein sportlicher Kleinwagen normalen Aussehens, dessen Karosserie von Michelotti in Turin entworfen wurde. Von 1959 - 1964 lief der BMW 700 vom Band, von 1962 - 1965 der BMW LS, ein verlängertes Modell. Beide Modellvarianten waren als Limousine, Luxuslimousine und Coupé erhältlich, wobei das lange Coupé im Aussehen eher fragwürdig war. Den BMW 700 erhielt man zusätzlich als Sportcoupé und Cabrio. Letztere und die Langvarianten verfügten über einen 40 PS starken Boxermotor, alle anderen hatten 30 PS. Das Cabrio wurde von der Firma Baur aus Stuttgart karossiert und war erst ab 1961 erhältlich. Mit dem BMW 700 Sport konnten im Rennsport viele Erfolge erzielt werden, vor allem gegen die italienische Konkurrenz. Willi Martini, der BMW-Vertreter am Nürburgring, baute auf der Basis des BMW 700 mit selbst konstruierter Kunststoffkarosserie einen Hochleistungs-Sportwagen. Als er damit in Serie gehen wollte, wurde er vom Münchener Werk aus gestoppt, sehr zum Ärger seiner Kunden.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen